Berlin : Schloss-Verein will Vorwürfe entkräften

Mitglieder sollen Finanzgebaren genehmigen

Christian van Lessen

Es geht nicht nur um schöne Schlossfassaden und Spendenergebnisse, wenn der Förderverein Berliner Schloss am Freitagabend im Roten Rathaus zusammenkommt. Die Mitgliederversammlung soll nachträglich einige Vorstandsentscheidungen bestätigen. Etwa die „Genehmigung der freien Vergabe“ von Aufträgen an das Architektenbüro eines früheren Vorstandsmitglieds des Vereins. „Ich will in allen Punkten auf Nummer Sicher gehen“, sagt Vereinsgeschäftsführer Wilhelm von Boddien.

Aufgrund der Vorwürfe der „Palastfreunde“ müsse man sich die Auftragsvergabe „zusätzlich von der Mitgliederversammlung ausdrücklich bestätigen lassen“, heißt es in der Einladung. Gemeint ist der Vertrag mit dem Architektenbüro Stuhlemmer & Stuhlemmer und ein Auftragsvolumen von 4,5 Millionen Euro für die Herstellung von Fassadenteilen. Zum Vertragsabschluss war der Architekt nicht mehr im Vorstand. Man hätte die Arbeiten auch ausschreiben können, sagt von Boddien, aber das Vereinsmitglied habe durch sein Fachwissen – etwa auch beim Aufbau der früheren Kommandantur Unter den Linden – überzeugt. Bei der Versammlung soll auch die Satzung des Vereins geändert werden: Es geht nun um den Wiederaufbau des Schlosses „als Kulturzentrum Humboldt-Forum“.

Mit dem Spendengeld soll der Verein in die Lage versetzt werden, Architekten- und Bauleistungen zur Rekonstruktion der Schlossfassaden „selber durchzuführen oder durchführen zu lassen“. Die Mitglieder – insgesamt gibt es 1500 – sollen auch den Vorstand beauftragen, die hauptamtliche Geschäftsführung finanziell so auszustatten, wie in der freien Wirtschaft üblich, „unter Beachtung der sparsamen Mittelverwendung“. Und sie sollen die Dienstwohnung des Geschäftsführers absegnen, um sonst anfallende „Hotelkosten in erheblicher Größenordnung einzusparen“. Von Boddien, nach eigenen Angaben 12 Tage im Monat in Berlin, bewohnt ein Schöneberger Apartment, das er als Büro nutzt und den privaten Anteil, wie er betont, selbst bezahlt.

Von Boddien sieht sich durch die „Kampagne der Palastfreunde“ auch selbst verunglimpft. Die Insolvenz seiner Landmaschinenfirma habe keine Auswirkungen auf den Förderverein. „Ich persönlich bin völlig schuldenfrei.“ Der Verein, der 80 Millionen Euro für Fassadenteile des Schlosses sammeln wolle, habe inzwischen Spendenzusagen in Höhe von 12 Millionen Euro, das derzeitige Guthaben betrage 1,6 Millionen Euro. Im nächsten Frühjahr werde man auf dem Schlossplatz eine Infobox aufstellen.

Zu den „Palastfreunden“ und Kritikern des Fördervereins gehört der Architekt Philipp Oswalt. Es sei ihm weiterhin nicht klar, wer oder was gefördert werden solle. Er habe den Verdacht von „Vetternwirtschaft.“ Ihm erscheine es am einfachsten, der Verein sammle nur Geld und stelle es für den Schloss-Aufbau zur Verfügung. Hier aber sollten offenbar Bauleistungen gefördert werden, für die seiner Ansicht nach der Bund zuständig sei. Fassaden herzustellen, sie möglicherweise der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zu überreichen, die sie dann an einen Investor als eine Art Mietvorauszahlung weitergebe, halte er für eine „abenteuerliche Konstruktion.“ Da die Mitglieder des Vereins nur das Schloss vor Augen hätten, werde der Vorstand bei der Versammlung am Freitag vermutlich mehrheitlich bestätigt.

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