Schlosspark Charlottenburg : Kann denn Liegen Sünde sein?

Wer im Schlosspark Charlottenburg radelt oder auf die Wiese geht, muss Strafe zahlen. Muss das sein?

Sebastian Leber
Schluss mit lustig.
Schluss mit lustig. Runter vom Rasen, heißt es jetzt im Park des Schlosses Charlottenburg. -Foto: Steinert

Die Schlossherrin habe sich früher sicher auch auf den Rasen gesetzt, glaubt Marc Schulte (SPD), Stadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf. Und was Sophie Charlotte im 17. Jahrhundert Spaß gemacht habe, müsse heutigen Besuchern des Schlossparks Charlottenburg genauso erlaubt sein. Ist es aber nicht: Wer dabei erwischt wird, wie er die Wege verlässt, muss bis zu 25 Euro zahlen. Die einzige ausgewiesene Liegewiese liegt am nördlichen Ende des Parks. „Es könnten deutlich mehr sein“, fordert Schulte. Schließlich ist der Park 55 Hektar groß, das entspricht 75 nebeneinander gelegten Fußballfeldern. Ein weiteres Ärgernis: Im gesamten Park ist das Radfahren verboten. „Auch das ist nicht im Sinne der Besucher“, sagt der Stadtrat. Nur leider kann er es nicht ändern.

Schuld ist eine komplizierte Rechtssituation. Vor sieben Jahren wurde der Garten der „Stiftung Preußische Schlösser und Gärten“ übergeben. Gleichzeitig blieb das Grundstück aber eine öffentliche Grünfläche – mit der Konsequenz, dass der Bezirk zwar für die Einhaltung der Parkregeln zuständig ist, diese aber nicht ohne Zustimmung der Schlösserstiftung ändern darf. Und die will am Radfahrverbot festhalten: aus Rücksicht auf die Fußgänger, sagt Sprecherin Elvira Kühn. Das Liegeverbot sei ebenfalls nötig, sonst werde dauerhaft der Rasen beschädigt, das Gesamtbild der historischen Anlage werde ebenfalls leiden. Allerdings denkt die Stiftung über die Genehmigung einer zweiten Liegefläche nach. Auch das wäre dem Bezirk aber nicht genug.

Der Konflikt in Charlottenburg könnte Signalwirkung für andere Bezirke haben. In der Stadt gibt es derzeit rund 2500 Grün- und Erholungsflächen mit einer Gesamtfläche von 5500 Hektar. In den meisten ist Radfahren verboten, allerdings findet man in vielen größeren Anlagen ausgewiesene Radlerwege. Vorreiter ist der Bezirk Lichtenberg. Dort gibt es seit anderthalb Jahren in allen größeren Parks Radwege – plus zahlreiche Hinweisschilder, dass auf Fußgänger Rücksicht genommen werden soll. „Das hat sich als Erfolgskonzept erwiesen“, sagt Wolfgang Mauermann vom dortigen Ordnungsamt. Es gebe keine Beschwerden von Fußgängern.

Im August wollen das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf und die Stiftung über das Radfahren verhandeln. Stadtrat Schulte möchte wenigstens zwei Wege freigeben, eine Nord-Süd- und eine Ost-West-Verbindung. Finde man keine Lösung, werde man einfach die Kontrollen des Ordnungsamts reduzieren und die Kräfte in „anderen, sinnvolleren Bereichen“ einsetzen, etwa gegen illegale Werbezettelverteiler am Kurfürstendamm oder gegen Falschparker in der zweiten Reihe. Die Stiftung hat bereits angekündigt, nicht um jeden Preis an der jetzigen Regelung festhalten zu wollen. „Bedingung ist aber, dass keine Fußgänger über den Haufen gefahren werden.“

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