Schlosspark-Theater : Didi muss draußen bleiben

Lachen ja, Klamauk nein: Dieter Hallervorden bereitet das Schlosspark-Theater auf sein neues Leben vor. Am 1. September öffnet es.

Christian van Lessen
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Dieter Hallervorden will das Steglitzer Schlosspark-Theater wieder in das Kulturleben der Stadt zurückführen. -Foto: Thilo Rückeis

Zum „fröhlichen Anlass“ lud Dieter Hallervorden in ein Theater, das drei Jahre kein Theater mehr ist – es aber bald wieder wird. Noch ist es eine Baustelle. Fünf Jahre lang kann Hallervorden das landeseigene Schlosspark-Theater mietfrei nutzen, dafür musste er mehr als eine Million Euro aus eigener Tasche investieren, um das marode Haus aufzumöbeln. Es kostete ihn mehr eigenes Geld, als er bei Vertragsunterzeichnung Ende vorigen Jahres glaubte, als er noch auf Lottomittel hoffte. Aber er zog die Sanierung durch: Am 1. September wird die Steglitzer Bühne wieder zum Leben erweckt.

An der Eröffnungsgala „Erinnerung an glorreiche Zeiten“ nehmen unter anderem Brigitte Grothum, Eva-Ingeborg Scholz, Ezard Haußmann und Heinz Werner Kraehkamp teil, als Moderatoren treten Klaus Wowereit und Alfred Biolek auf.

Noch sieht der große Saal aus, als sei er gerade erst im Rohbau fertig. Die 460 Plätze werden Mitte August installiert. Mehr als 31 Kilometer Kabel und Leitungen wurden für neue Technik verlegt, in Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Hallervorden erinnerte in einem Nebenraum mit holzgetäfelter Decke daran, dass er Anfang des Jahres auf Einladung des Senats das Theater gründlich inspiziert und entsetzt über den Zustand das Haus fluchtartig verlassen habe. Es sei total versifft gewesen. Er präsentierte zur Untermalung eine Dia-Schau, die ihn inmitten von Gerümpel zeigt. Trotz fehlender Lottogelder habe er weitergemacht, „ich kehre nicht auf halbem Wege um“. Er kenne das Haus von Jugend an, bei seinem Anblick habe ihm in den letzten Jahren das Herz geblutet. Aus „Dankbarkeit und Wehmut“ wolle er es wiederbeleben. Gerade der Berliner Südwesten sei keine kulturelle Diaspora und werde das Theater wieder annehmen. Hallervorden versicherte, er wolle „nicht den Boulevard vom Kurfürstendamm nach Steglitz holen“, sondern ein Programm „in der Tradition des Hauses bieten. Das bedeute kein Schenkelklopf-, auch kein reines Bildungstheater. Schmunzeln, lachen, vielleicht auch weinen – von allem will er etwas bieten. Auch Lesungen und Konzerte wird es geben, zum kleinsten Teil die Kleinkunst – vor allem aber keine zweite Ausgabe der Wühlmäuse.

Was gibt es? Zum Beispiel gleich nach dem Eröffnungsabend ein in Paris erfolgreiches Stück von Daniel Colas namens „Die Socken Opus 124“. In der deutschen Erstaufführung führt Katharina Thalbach Regie. Sie war bei der Vorstellung des Programms dabei wie auch Ottokar Runze, der die Regie bei „Es wird Zeit“ von Tom Cole führt, das von Brigitte Grothum und Michael Degen gespielt wird. Auch Cordula Trantow sah sich am Dienstag schon einmal das Theater an. Vor 31 Jahren stand sie hier zuletzt auf der Bühne, jetzt kommt sie als Regisseurin zurück für die Uraufführung der „Nadel der Kleopatra“ von Phillip Moog und Frank Röth. Hier spielt übrigens auch Ingrid van Bergen mit, die gestern ebenfalls Hallervorden zur Seite stand und in Steglitz auch als„Klatschmohnfrau“ auf der Bühne stehen wird.

Das angekündigte Spielpensum wirkt eindrucksvoll, rund 20 verschiedene Theateraufführungen sind geplant, darunter auch Gastspiele, beispielsweise des Deutschen Theaters Göttingen mit „Nathan der Weise“ gleich Anfang September. Auch die Hamburger Kammerspiele wollen gastieren. Es wird Konzertabende mit Heinz Rudolph Kunze oder Wolfgang Niedecken geben, sogenannte Kleinkunst unter anderem mit Frank Lüdecke, Eckart von Hirschhausen oder Hagen Rether, „Extras“ mit Claude-Oliver Rudolph oder auch Walter Plathe.

Der 73-jährige Hallervorden steckt voller Ideen, plant mindestens sieben bis acht Eigenproduktionen jährlich und Koproduktionen mit den Bühnen in Göttingen, Hamburg und Dessau.

Wer „Didi“ hier sehen wolle, sei fehl am Platz, sagte er, es werde gediegenes Theater geboten. Er wolle beweisen, dass es auch ohne Subventionen gehe. „Ich freue mich darauf“ steht auf Plakaten, die auf den Eröffnungstermin hinweisen und ihn griesgrämig unter der Narrenkappe zeigen. Unter zwölf Bewerbern machte sein Konzept letztlich das Rennen. „Hier soll mein Geld begraben werden“, witzelte Kabarettist Hallervorden.

Im letzten Dezember war bereits von Umbaukosten von rund 1,2 Millionen Euro die Rede. Insgesamt hat der Vertrag eine zehnjährige Laufzeit. Die Geschichte des Theaters reicht bis 1804 zurück, 1921 bezog es den neoklassizistischen Wirtschaftstrakt des Gutshauses Steglitz an der Schloßstraße. Boleslaw Barlog, Martin Held, Klaus Kinski und Hildegard Knef haben hier gewirkt.

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