Berlin : Schlosspark-Theater: Spielbetrieb könnte im Januar beginnen

Dreizehn Bewerber für die Steglitzer Bühne

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Im verlassenen SchlossparkTheater soll sich im Januar 2004 der Vorhang wieder heben. Doch unklar ist, was auf der Bühne zu sehen sein wird und wer das Theater leiten wird. 13 Bewerber haben bei Kultursenator Thomas Flierl Angebote zur Übernahme des Theaters abgegeben. Einer, von dem sich die Freunde des Theaters vielleicht besonders viel versprochen haben, zog am gestrigen Sonntagmittag seine Bewerbung zurück. Beim Treffen einer Unterstützerinitiative des Theaters mit CDU-Politikern im Foyer sagte der Schauspieler Ezard Haußmann, seit vielen Jahren am Schlosspark-Theater, mit weit tragender Stimme und leichter Bitterkeit um den Mund: Er könne sich nicht vorstellen, dass Haus ohne Hilfe des Senats zu führen.

Damit nämlich müssen alle, die das Theater wieder eröffnen wollen, offenbar rechnen: 1,9 Millionen Euro jährlich, wie zu Zeiten des Intendanten Heribert Sasse, wird Flierls Etat in Zukunft nicht mehr hergeben. Der CDU-Abgeordnete Karl-Georg Wellmann erfuhr durch eine kleine Anfrage an die Kulturverwaltung, dass laut Ausschreibung für den Betrieb dieses Theaters „keine Zuschüsse des Landes Berlin zur Verfügung stehen“. Der trostreiche Zusatz, Förderung sei auch „nicht ausgeschlossen“, animierte zwei Bewerber dazu, auf den Senat gar nicht erst zu hoffen. Der Schauspieler Holger Schulze erläuterte drei oder vier Dutzend Theaterinteressierten, ohne Subventionen mache man am besten „bürgerliches Kammertheater“ – Stücke mit zwei oder drei oder vier Schauspielern ohne teuren Aufwand beim Bühnenbild und der Ausstattung. Für schwierig hält Schulze die Anschubfinanzierung des neuen Schlosspark-Theaters. Er denkt an eine Stiftung und ist dabei, sie ins juristische Leben zu rufen.

Etwas riskanter will Michael Klemm das Projekt anpacken, sollte er den Zuschlag bekommen: Er ist mit Theaterleuten aus dem Rest der Republik so fest verabredet, dass er 2004 mit eine Etat von 1,2 Millionen Euro einige größere Inszenierungen auf die Bretter stellen könnte. Klassisch-moderne Stücke hat er im Sinn – den „Elefantenmenschen“, „Die Jagd nach der Sonne“, „Die Macht der Gewohnheit“. Klemm hat ein durchgerechnetes Konzept und will auch ein bisschen Gastronomie in dem nicht mehr ganz hippen Theater unterbringen, damit dorthin tagsüber das Leben zurückkehre.

Nun müssen Flierls Theaterfachleute entscheiden, wer das Theater übernehmen kann. Barbara Esser, Leiterin des Bühnenreferats, geht in die Sichtung der Bewerber mit zwei Prämissen: Man kann Theater erfolgreich ohne öffentliches Geld machen. Und derzeit entgehen dem Land Berlin pro Jahr 61150 Euro an Mieteinnahmen, während jeden Monat 3500 Euro Betriebskosten zu zahlen sind. wvb.

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