Schlossplatz : Bauakademie wird deutlich teurer

Zwei Studien gehen von einer Verdopplung der bisher geschätzten Kosten aus Über eine Errichtungsstiftung will der Förderverein jetzt Geld sammeln

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In die Diskussion um den Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie am Schlossplatz kommt wieder Bewegung. Architekturstudenten der Beuth-Hochschule haben die Kosten des Vorhabens neu berechnet – das Ergebnis: 46 Millionen Euro. Damit würde der Wiederaufbau mehr als doppelt so teuer werden wie bislang geschätzt. Nach einer aktuellen Wirtschaftlichkeitsstudie, die zwei namhafte Architekten- und Bauingenieurgesellschaften für den Förderverein Bauakademie erstellt haben, werden Baukosten von rund 48 Millionen Euro erwartet.

Trotz erhöhter Kosten ist das Projekt aber nach Einschätzung des Senats nicht in weite Ferne gerückt. „Wir sind an dem Thema dran“, sagt Mathias Gille, Sprecher der Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Bislang gebe es „zu viele Variablen“ in der Diskussion, deshalb wurde die „Deutsche Stadtentwicklungsgesellschaft“ aus Wiesbaden als Gutachter hinzugezogen.

Der Liegenschaftsfonds hatte die Bauakademie für private Investoren ausgeschrieben, doch die Bedingung, 75 Prozent der Nutzfläche dem Verein Internationale Bauakademie zu überlassen, ließ das Interesse schnell erlahmen. Auch der Stadtmöblierer und Kulturmäzen Hans Wall hatte sich für die Akademie interessiert. Er wollte 15 Millionen Euro ausgeben, aber das Risiko möglicher Mehrkosten dem Senat überlassen. Auch ein Konsortium um verschiedene Architekten und Geschäftsleute blitzte mit seinem Angebot ab, den Bau der Akademie am Schinkelplatz mit einem privaten Wohnprojekt zu verknüpfen.

Der Förderverein Bauakademie hat inzwischen eine „Errichtungsstiftung“ gegründet, die Geld für die Akademie sammeln soll. Im Vorstand der Stiftung sitzt auch Professor Willi Hasselmann, der das Studentenprojekt zur Kostenermittlung an der Beuth-Hochschule betreut hat. „Der Knackpunkt bei den Baukosten ist die Fassade. Die Ornamentik ist ungemein vielfältig“, sagt Hasselmann. Für die 860 000 speziell gebrannten Ziegelsteine und 8800 Schmuckelemente seien 18,5 Millionen Euro zu veranschlagen.

Architekt Hans Kollhoff, Vorsitzender des Akademie-Vereins, kalkuliert dagegen weiter mit 20 bis 25 Millionen Euro für einen „erweiterten Rohbau“ mit „minimalem Standard“. Also außen eine historische Fassade, innen ein weitgehend nackter Rohling, der je nach Nutzung ausgebaut werden kann. Im Gespräch sind Räume für Konferenzen, Restaurants und Geschäfte im Erdgeschoss.

Noch ungeklärt ist der Umgang mit den historischen Kellergewölben, die nach der Sprengung der kriegszerstörten Ruine 1961 stehen geblieben sind. Der Baugrund gilt als Bodendenkmal. Eine Integration der archäologischen Reste in das Gebäude, wie jetzt für das Alte Rathaus diskutiert, würde wieder eine Menge Geld kosten. Die Billigvariante wäre, auf den Keller einfach zu verzichten. Thomas Loy

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