SCHLOSSPLATZ IM WANDEL : Von der königlichen Residenz zum profanen Parkplatz

Das alte Schloss.

Die Mitte Berlins wurde jahrhundertelang vom Schloss mit den Grundmaßen von rund 120 mal 200 Metern, einer Traufhöhe von 31 Metern und der 74 Meter hohen Kuppel dominiert. Nach Bombardements ist das Gebäude 1945 schwer in Mitleidenschaft gezogen, teilweise eine Ruine. Dennoch finden 1946 bis 1948 im Weißen Saal und den darunterliegenden Räumen Ausstellungen statt, beispielsweise eine Schau zum 100. Jubiläum der Revolution von 1848.

Der Abriss. Nach der Bildung des Ost-Berliner Magistrats wird das Schloss wegen Baufälligkeit gesperrt und 1950 gesprengt. Der VEB Abräumung und Erdbau berechnet dafür 2 525 336,33 Mark. Die freie Fläche auf dem nun so benannten Marx-EngelsPlatz wird zur Paradierstrecke für die Weltfestspiele 1951, auch danach lässt sich das Politbüro auf der Tribüne am 1. Mai von den marschierenden Massen feiern. Die DDR hatte ihren Roten Platz.

Der neue Palast. Der Plan, hier ein Hochhaus als Machtzentrum der DDR zu bauen, wird nicht realisiert, stattdessen beginnen 1973 die Ausschachtungsarbeiten für den Palast der Republik, der am 23. April 1976 eröffnet wird. Am 1. Mai bewegt sich die letzte Mai-Demonstration über den Marx-Engels-Platz, die Prominenz lässt sich fortan im neuen Teil der Karl-Marx-Allee bejubeln. Der einstige Schloßplatz wird – bis heute – zum profanen Parkplatz.

Die Wende und der Asbest. Zur ersten freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 ist der Palast der Republik ein internationales Sendezentrum, der Platz davor steht voller Übertragungswagen. Am 23. August 1990 beschließt die Volkskammer hier den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik, am 19. September 1990 wird das Haus „für eine umfassende Asbest-Entsorgung“ geschlossen. Danach wird unter Protest nicht nur der Asbest entsorgt, sondern das ganze Gebäude geräumt.

Das neue Schloss. 1991 beginnt die heftige Diskussion um die Rückkehr des Schlosses, das 1993–94 in einer originalgetreuen Fassadensimulation wiederersteht. 1997 wird damit begonnen, den Asbest so intensiv von den Stahlträgern im Palast der Republik zu kratzen, dass nichts mehr übrig bleibt. In der Ruine gibt es Konzerte und Kunst, 2006 den endgültigen Abriss. Der Bundestag beschließt ein Humboldt-Forum in der „Kubatur des Schlosses“. Dazu soll noch 2007 ein internationaler Architektenwettbewerb ausgelobt werden. Lo.

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