Schlossplatz : Mühsame Suche nach Infobox-Finanziers

Für den Bau einer Infobox am Humboldt-Forum wird die Ausschreibung vorbereitet. Die Wall AG hat ihr Angebot zurückgezogen.

Klaus Kurpjuweit

Mühsam ist doch noch ein Platz für die Infobox am künftigen Humboldt-Forum auf dem Schlossgelände gefunden worden. Aber ob nun auch zügig gebaut wird, ist ungewiss. Die Wall AG, die angeboten hatte, das Projekt zu finanzieren, erklärte gestern, das bisherige Angebot gelte nicht mehr. Ob sich das Unternehmen einer Ausschreibung stellen wird, sei noch nicht entschieden, sagte Wall- Sprecherin Beate Stoffers. Die von Wall geplante Humboldt-Box hätte dem Vernehmen nach um die acht Millionen Euro gekostet. Weder das Land noch der Bund wollen für das temporäre Bauwerk eigenes Geld ausgeben und suchen mit der Ausschreibung einen Finanzier.

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Da Wall die Humboldt-Box dem Land und dem Bund nicht schenken wollte, sondern als Gegenleistung weitere Werbeflächen in der Stadt gefordert hat, müsse die Fläche zur Nutzung für eine Infobox ausgeschrieben werden, heißt es bei Juristen. Nicht ausgeschlossen sei, dass es in einem solchen Verfahren günstigere Angebote gebe. Wall hatte geplant, ein fünfstöckiges, gläsernes Gebäude bauen zu lassen. Besucher sollten dort darüber informiert werden, was im Humboldt-Forum, dessen Bau 2010 beginnen soll, eines Tages zu sehen sein wird. Einziehen sollen die Sammlungen der außereuropäischen Kunst aus Dahlem und Bereiche der Zentral- und Landesbibliothek. Auf dem Dach angekommen, sollten die Besucher dann auf die Baustelle blicken können. Dort wird auch die BVG buddeln. Unter dem Forum verläuft die geplante U-Bahn-Linie U 5 (Alexanderplatz – Hauptbahnhof). Ein Eintrittsgeld für diese Ein- und Ausblicke in und von der Humboldt-Box war nicht vorgesehen.

In der Vergangenheit hatten der Senat oder mehrere Bezirke der Stiftung Denkmalschutz mehrfach großzügig Werbeflächen überlassen, ohne dies auszuschreiben. Die Stiftung hatte sich unter anderem verpflichtet, mit den Erlösen das Brandenburger und Charlottenburger Tor oder das Strandbad Wannsee sanieren zu lassen. Diese Praxis war vom Rechnungshof scharf kritisiert worden.

Wilhelm von Boddien, der Vorsitzende des Schloss-Fördervereins hofft, dass das Projekt schnell ausgeschrieben wird und der Bau dann im Frühjahr begonnen werden kann. Er will in der Box auch für Spenden für die Schlossfassade am Humboldt-Forum werben.

Die Humboldt-Box werde ein weiterer Anziehungspunkt für Touristen, aber auch für Berliner werden, ist Christian Tänzler von der Berlin-Tourismus-Marketing (BTM) überzeugt. Schon heute gebe es im Ausland ein starkes Interesse am Bau der „Temporären Kunsthalle Berlin“, die derzeit auf dem Schlossplatzgelände entsteht und später wieder dem Bau des Humboldt-Forums weichen soll. Ein solches Projekt sei nur in Berlin möglich, hieße es im Ausland, sagte Tänzler, der sich von der Humboldt-Box dann einen ähnlichen Effekt erhofft. Und sie würde immerhin länger stehen bleiben als die „White Cube“ genannte Kunsthalle. Klaus Kurpjuweit

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