Berlin : Schloßplatz-Pläne blockiert: Jeder wartet auf den anderen

CHRISTIAN VAN LESSEN

BERLIN .Während Historiker am Donnerstag zu großer Sorgfalt bei der Wiederbebauung des Schloßplatzes mahnten und einen Neubau mit Schloßfassade befürworteten, wartet bei den zuständigen Stellen in Bonn und Berlin offenbar jeder auf den anderen: Am Schloßplatz geht nichts voran.Das Bundesbauminsterium ließ wissen, man warte "immer noch auf eine abschließende Bewertung der Berliner" zu den in die engere Wahl gekommenen Arbeiten des Investoren-"Interessenbekundungsverfahrens"; die Senatsbauverwaltung wiederum teilte mit, daß sie keine Stellungnahme mehr nach Bonn schicke - weil sie selbst auf eine abschließende Bewertung des Bundes warte.

Ein Termin für die Vorstellung von Entwürfen und Berechnungen privater Bauherrn für ein multifunktionales Gebäude in den historischen Schloß-Abmessungen, das eventuell Reste des Palastes der Republik einbezieht, kann jedenfalls noch immer nicht genannt werden, obwohl dies ursprünglich schon Ende März geplant war; die Arbeiten waren den Behörden bis Ende Januar eingereicht worden.Das gegenseitige Warten läßt den Zeitplan für den folgenden Architektenwettbewerb, der noch in diesem Jahr geplant ist, enger werden.Im Hause Klemann hatte man sich schon auf eine öffentliche Präsentation von Entwürfen vorbereitet, aus Bonn kam rotes Licht.

Sieben von 14 Arbeiten, eingereicht von Unternehmen aus den Bau-, Immobilien- und Bankenbereich, sind nach Auskunft der Senatsbehörde näher geprüft worden.Es habe sich gezeigt, daß es schwer werde, die wirtschaftliche Nutzung mit einer angemessenen Gestaltung unter einen Hut zu bringen.Mit mehreren Entwürfen hatte man von vornherein nichts anfangen können, sie wirkten zu skurril und offenbar unseriös.

Die Gesellschaft für Erdkunde und die Historische Kommission sehen sich jedenfalls laut ADN veranlaßt, große Sorgfalt bei der Wiederbebauung des Schloßplatzes anzumahnen.Alle einer "nur vordergründigen Vermarktung dienenden Vorhaben" seien auszuschließen, forderten die Wissenschaftler in einem Thesenpapier, das sie am Donnerstag dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen übergaben.Die künftige bauliche Gestalt müsse der Bedeutung des Ortes und seiner Umgebung würdig sein.

Die Historiker plädierten für eine öffentliche Erörterung, in der vor allem auch die Rolle des Schlosses "als Ort für das Zusammenwachsen und die Entwicklung der Deutschen in eine neue Gemeinschaft und ihre Begegnung mit der Welt" stattfinden könne.So setzten sich die Experten für die Errichtung eines Gebäudes mit der Fassade des Schlosses an dessen ehemaligem Standort ein.Die innere Gliederung des Baus sollte jedoch modern sein und den vorgesehenen Funktionen entsprechen.Der Schloßkomplex müsse einer starken öffentlichen und auch privaten Mischnutzung geöffnet werden, hieß es in dem Papier.

Als mögliche Teilfunktion sahen die Wissenschaftler die Einrichtung eines Bundes- und Ländergästehauses, verbunden mit einem Kongreß- und Veranstaltungstrakt.Weitere Nutzungen könnten eine Bibliothek, ein Schloßmuseum, der Sitz nationaler Stiftungen oder eines zentralen Staatsbürgerbüros des Bundespräsidenten sein.

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