Schlossplatz : White Cube: Aufbauarbeit für die Kunst

Platte Nummer acht hängt am Haken und schon steht der erste Abschnitt des White Cube: Auf dem Schlossplatz werden die Wände der neuen Ausstellungshalle zusammengesetzt.

Frank Brunner
kunsthalle Foto: Mike Wolff
Scheibchenweise. Die Kunsthalle wird aus rund 100 Fertigplatten erstellt. Am 18. Oktober soll sie eröffnen. -Foto: Mike Wolff

Eine winzige Handbewegung von Uli Mahler – und Platte Nummer sieben senkt sich millimetergenau auf das Betonfundament. Der Kranfahrer ist einer von fünf Arbeitern, die seit Donnerstag die Außenhülle der temporären Kunsthalle auf dem Berliner Schlossplatz errichten. Mit nur zwei kleinen Hebeln dirigiert er von seiner Kabine aus die elf Meter langen und 2,50 Meter breiten Platten durch die Luft. „Ich bin seit 35 Jahren Kranfahrer, so etwas ist Routine“, sagt er er und lehnt sich zurück.

Insgesamt 100 solcher aus Holz und Faserzement bestehenden Bauteile muss Mahler noch bewegen, bis die von Adolf Krischanitz entworfene Halle am 18. Oktober öffnen kann. „Ich freue mich, dass die Arbeiten endlich begonnen haben und “, sagte Dieter Rosenkranz, von der Stiftung Zukunft Berlin gestern Nachmittag während einer Baustellenbesichtigung. Die Stiftung finanziert die Kunsthalle mit insgesamt 950 000 Euro. In den folgenden zwei Jahren sollen auf einer Ausstellungsfläche von 600 Quadratmetern Werke zeitgenössischer nationaler und internationaler Künstler gezeigt werden, die in Berlin leben und arbeiten, sagt Rosenkranz. Bis dahin ist allerdings noch viel zu tun. „Zirka 20 Minuten dauert das Aufstellen einer Platte", sagt Bauleiter Gerd Seelhorn. Zugeschnitten und nummeriert wurden die riesigen Teile bereits am Firmensitz im rund 500 Kilometer entfernten Ort Lohne in Niedersachsen. Unterdessen justieren zwei seiner Kollegen, einer am Boden, der andere auf einer Hebebühne, die Platte. „Um Teile von dieser Größe richtig gerade zu installieren braucht man einen Präzisionslaser“, erläutert Zimmermann Hans Peter Kruse und zeigt auf ein Gerät, das entfernt an eine Campingkocher erinnert.

Kranfahrer Mahler hat derweil Pause. Langweilig sei ihm in seiner Kabine nie. „Gerade in Berlin hab ich eine guten Blick auf die interessante Umgebung", sagt er und zeigt auf die stählernen Überreste des Palasts der Republik, die sich direkt gegenüber in den Himmel strecken. Seelhorn und sein Mitarbeiter haben die Holzplatte mittlerweile mit den bereits befestigten Seitenwänden verschraubt. „Richtig stabil wird die Konstruktion erst, wenn wir das Dach aufgesetzt haben“, erläutert er. In fünf Wochen soll der Rohbau fertig sein. Danach beginnt die Außengestaltung des Hauses, die von Gerwald Rockenschaub entworfen wurde.

Eröffnet werden soll die Galerie mit einer Ausstellung der südafrikanischen Künsterlin Candice Breitz. Lutz Ackermann von der Stiftung Zukunft geht davon aus, dass der Zeitplan eingehalten wird. Durch Genehmigungsprobleme hatte sich der Baubeginn schon einmal verzögert. Bis 2010 sind acht Austellungen geplant. Danach beginnt an dieser Stelle der Bau des Humboldforums, das 2013 fertigestellt werden soll.

Der Kranfahrer hat derweil seine Ruhezeit beendet. Platte Nummer acht hängt am Haken und schon steht der erste Abschnitt der Kunsthalle.

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