Berlin : SCHLOSSPLATZ

In der kommenden Woche wählt die Jury den Gewinner des internationalen Wettbewerbs zur Gestaltung des Schlossplatzes aus. Zwei Tage nimmt sie sich Zeit zur Bewertung der 41 Entwürfe. Eine Entscheidung mit Tragweite, denn von der Verknüpfung des rekonstruierten Schlüterbaus mit Lustgarten und Museumsinsel, vor allem aber mit der Breiten Straße (im Luftbild unterhalb der Ziffer 1) wird es abhängen, wie eng und elegant Cölln wieder an die Stadt angebunden werden kann. Die Gefahr des Scheiterns ist groß, denn die Straße am Schlossplatz führt den Verkehr quer über die frühere Freifläche und dann Richtung Süden, die Breite Straße hinunter – und die Blechkarawane, die sich dort entlangwälzt, erschwert Fußgängern den Übergang.

Immerhin, die Senatsverkehrsbehörde verspricht eine Entschleunigung auf Tempo 30, was Flaneuren zugute kommen wird. Denn wie einfach es den Passanten künftig gelingt, vom rekonstruierten Schloss in die Breite Straße zu wechseln, das wird für den Zusammenhalt der gesamten Spreeinsel entscheidend sein. Schlossarchitekt Franco Stella hat das erkannt und sieht deshalb einen öffentlichen Weg im Inneren seines Schlüter’schen Blocks vor, zwischen den beiden mittleren Portalen hindurch. Dieser soll Lustgarten im Norden und Schlossplatz im Süden auf kürzestem Wege miteinander verbinden.

Der ursprünglich am südwestlichen Rand des Schlossplatzes geplante Neubau, für den der Konzern ThyssenKrupp umstrittene Pläne für einen Glaskubus vorgelegt hatte, wird nicht kommen. Das Baufeld ist keines mehr – und wird nun Teil des Freiraumes am Schlossplatz.

Der Streit um eine historisierende oder moderne Gestaltung des Platzes, der kurz vor Auslobung des Wettbewerbs aufgekommen war, wird nun mit Entschiedenheit offengehalten: Dort, wo einmal der Schlossbrunnen stand, darf kein Baum und kein modernes Kunstwerk aufgestellt werden, sondern muss eine freie Fläche bleiben. So kann – für den Fall, dass einmal Geld und Einvernehmen da sind – der zu DDR-Zeiten zum Rathausforum umgesetzte Brunnen zurückkehren. Auch „fordern wir dazu auf, dass man sich sichtbar mit den historischen Spuren auseinandersetzt“,sagt Jury-Mitglied und Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Historische Spuren sind zum Beispiel die Schlossterrassen im Norden des Schlüterbaus, die das Gebäude einst räumlich und gestalterisch mit dem gegenübergelegenen Lustgarten verbunden hatten.

Die gelernte Architektin Lüscher hat allerdings ein Faible für zeitgenössische Ergänzungen historischer Ensembles und bezeichnet die Forderung als „ahistorisch“, möglichst viele andere einst um das Schloss gruppierte Großskulpturen an diesen Ort zurückzuholen: das Reiterstandbild vom Großen Kurfürsten, das vor dem Schloss Charlottenburg steht, die Rossebändiger aus dem Kleistpark oder die Adlersäule. Diese hätten in der Zwischenzeit einen neuen, bereits als historisch zu bezeichnenden Kontext und Standort gefunden. In der Ausschreibung des Wettbewerbs gebe es dazu aber keine Vorgaben. Das Versetzen und Wandern von Denkmälern habe so wie der Bildersturm eine lange historische Tradition und dokumentiere selbst wiederum die verschiedenen Schichten sozialpolitischer Zeitgeschichte, sagt Lüscher und beruft sich dabei auf die Position der Berliner Denkmalpflege.

Entschieden ist bereits über das Freiheits- und Einheitsdenkmal, das der Bund – auch nach Ausstieg der Berliner Choreografin Sasha Waltz – vor das Westportal des Schlosses setzen will. Waltz hatte zusammen mit dem Stuttgarter Architekten Johannes Milla den Wettbewerb gewonnen. Nun wird wohl Milla den Entwurf für eine wippenartige Konstruktion allein realisieren. So war es im Bundeskanzleramt entschieden worden.

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