Anruf in Italien : Was der Sieger Franco Stella sagt

Wettbewerbssieger Franco Stella spricht mit dem Tagesspiegel über seinen Schloss-Entwurf.

Christina Tilmann

Was für ein Zufall. Hans Stimmann, Berlins ehemaliger Senatsbaudirektor und ein Befürworter der Schloss-Idee, weilt in Vicenza, um die Ausstellung zum 500. Geburtstag von Andrea Palladio zu besichtigen – und einen alten Freund zu besuchen: den Architekten Franco Stella. Während die beiden Herren im strömenden Regen die Palladio-Villen im Umland besichtigen, klingelt das Handy von Stella, am Apparat ist Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee, der zum Ersten Preis beim Architektenwettbewerb für das Humboldt-Forum gratuliert.

Wenige Stunden später erläutert der bislang in Deutschland weitgehend unbekannte Stella am Telefon seinen Entwurf: Es sei ihm um ein Weiterbauen der barocken Vorgaben gegangen. Er habe sich am Geist von Schlüter und Eosander orientiert, sein Entwurf sei eine Hommage an die preußische Geschichte, geschaffen aus dem Geist des 17. Jahrhunderts. Wichtig sei ihm vor allem gewesen, dass die in der Ausschreibung vorgeschriebene barocke Fassade nicht wie eine Maske wirke, die dem Bau vorgehängt würde. „Ich habe nicht nur die Haut, sondern auch den Körper aus dem Geist der barocken Architekten schaffen wollen.“

Schwer gefallen ist ihm das nicht: Die Vorstellung eines „Weiterbauens“ historischer Gebäude ist Stella aus Vicenca, aus Palladios Werk vertraut – auch die Basilica Vicentiana sei eigentlich ein Weiterbau. Nur hätten sich beim Humboldt-Forum durch den Raumbedarf der beteiligten Institutionen ganz andere Probleme ergeben. Dass er jedoch nicht nur den Schlüter-, sondern auch den Eosanderhof rekonstruieren wollte, sei ihm ziemlich schnell klar gewesen.

Berlin ist dem 1954 geborenen Aldo-Rossi-Schüler und Professor an der Universität von Venedig seit dem Studium vertraut. Franco Stella pilgerte schon nach dem Abitur zu den Bauten von Schinkel bis Mies van der Rohe. Auch an verschiedenen Wettbewerben, etwa zum Außenministerium, der Humboldt-Bibliothek sowie zum Spreebogen hat er teilgenommen. Doch am Schlossplatz, an dem es so viel um Erinnerung und Geschichte gehe, verbietet sich in seinen Augen Postmoderne.

Auch Hans Stimmann, der zwar wusste, dass Frank Stella sich am Schloss-Wettbewerb beteiligt hatte, dessen Entwurf aber bis Freitag Nachmittag nicht kannte, zeigt sich begeistert: „Ein wunderbarer Entwurf, ein Glücksfall. Man muss wohl aus Vicenza kommen und Palladio studiert haben, um so etwas schaffen zu können“, rühmt er den Freund und zitiert dessen Worte: „Schlüter und Eosander haben mitgebaut.“

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