Architekturwettbewerb : Bundestag setzt letzte Frist für Schloss-Kalkulation

Bauminister Tiefensee muss den Kostenplan für das Stadtschloss bis Anfang November vorlegen. Das Parlament droht, andernfalls den weltweiten Architekturwettbewerb zu stoppen.

Matthias Oloew

Die Zeit läuft für Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Nach dem Votum des Haushaltsausschusses vom Mittwoch muss er bis zum 7. November erklären, wie teuer das Humboldt-Forum wirklich wird, sonst gibt der Bundestag das nötige Geld nicht frei, um den Architektenwettbewerb zu starten. Dann wäre der Zeitplan passé. Der Ausschuss-Vorsitzende Otto Fricke (FDP) verlangt: „Es muss bei der Kalkulation ein Deckel drauf, sonst würden wir ja einen Freibrief erteilen.“

Die Abgeordneten sind vor allem skeptisch, was den Anteil Berlins und des Schloss-Fördervereins angeht. Fricke selbst zweifelt nicht an der Seriosität der Spendensammler um Wilhelm von Boddien. Andere Abgeordnete sehen aber Unwägbarkeiten. „Die Erfahrungen mit der Sanierung der Staatsoper zeigen eine Tendenz zur vollständigen Überwälzung von Kosten auf den Bund“, sagt der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU, Steffen Kampeter, „dies muss ausgeschlossen sein“.

Senatssprecher Michael Donnermeyer weist das als „billige Parteipolitik“ zurück: „Auf den Berliner Anteil von 32 Millionen Euro kann sich der Bund verlassen.“ Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) respektiert die Entscheidung des Haushaltsausschusses, geht aber davon aus, dass dies „keine Absage an das Humboldt-Forum bedeutet“.

Kampeter sagt weiter, bei dem Projekt gehe „Sorgfalt vor Geschwindigkeit“. Tiefensee müsse erklären, wie teuer das Gebäude am Ende für den Bund werde. Er selber geht inzwischen sogar von Kosten aus, die deutlich über 600 Millionen Euro liegen. Daher müsse das Ministerium noch genauer prüfen, ob nicht doch eine Finanzierung auf Grundlage einer öffentlich-privaten Partnerschaft möglich sei.

Das Bundesbauministerium war am Donnerstag um Klarstellung über die Kosten bemüht. Die bisherigen Kalkulationen (siehe Kasten) beruhten auf einem aktuellen Baupreisindex, Mehrkosten während des Baus müssten durch Einsparungen wettgemacht werden. Die bislang genannte Größenordnung von 480 Millionen Euro habe jedoch nie die Innenausstattung sowie die Ausstellungsarchitektur beinhaltet. Diese Kosten müssten durch die Nutzer getragen werden – ein Posten, der bislang nirgends aufgetaucht ist.

Vorgesehen war bislang, dass der Bund drei Millionen Euro für den weltweit offenen Architektenwettbewerb ausgibt, der noch im November starten soll. Für das Gremium aus acht Preisrichtern hat Berlin seine zwei Vertreter bereits benannt: Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und Kultur-Staatssekretär André Schmitz. Als einer ihrer Stellvertreter wird HU-Präsident Christoph Markschies mitreden. Das Bauministerium unterstrich gestern, dass die Rekonstruktion der barocken Fassaden an den drei Außenwänden wie im Schlüterhof verbindlich festgeschrieben werde.

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