Schloßplatz : Das Schloss könnte aus dem Rahmen fallen

Franco Stella muss seinen Entwurf fürs Humboldt-Forum womöglich überarbeiten. Denn der Architekt dürfte teurer als erlaubt geplant - wie alle anderen Bewerber. Der Neubau wirft aber noch mehr Fragen auf: Was wird aus der Verbindung zur Museumsinsel?

Matthias Oloew

Nach der Jury-Entscheidung soll mit dem Bau des Humboldt-Forums umgehend begonnen werden. Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) kündigte am Freitag an, er werde dem Bundestag den Siegerentwurf von Francesco Stella – der sich als Architekt Franco Stella nennt – zur Realisierung vorschlagen. Er geht nach wie vor von einem Baubeginn am Schloßplatz noch im Jahr 2010 aus.

Allerdings könnten ihm die Baukosten einen Strich durch diesen Fahrplan machen. Während Tiefensee erklärte, der Entwurf halte den Kostenrahmen ein, erklärten Teilnehmer der Jury-Sitzungen, dass keiner der 30 Architekten der letzten Wettbewerbs-Runde sich an die vorgegebene 552-Millionen-Euro-Grenze gehalten habe. Die Entwürfe lagen nach den Angaben um bis zu 40 Prozent über dem Ansatz. Auch der Sieger ist teurer. Tiefensee hatte sich aber beim Bundestag dafür verbürgt, das Humboldt-Forum sei für diese Summe zu bauen.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sagte, sie sei insgesamt mit dem Ergebnis „zufrieden“: „Es war eine schwierige Aufgabe, das Schloss so aufzubauen, dass es authentisch wirkt und keine Fassade ist, die nichts mit der Umgebung und dem Innenleben zu tun hat.“ Enttäuscht war sie bei allen Entwürfen – wie viele andere Juroren auch – von der Ausgestaltung der vierten, nichtbarocken Fassade, die in Richtung Fernsehturm zeigt. Stellas Pläne böten aber den großen Vorteil, dass sie neue öffentliche Räume schafften.

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Monika Grütters sagte: „Endlich kann die empfindlichste städtebauliche Lücke der Bundesrepublik geschlossen werden.“ Mit der Nutzung könne Deutschland beweisen, „dass es mit diesem Projekt um das nationale Selbstverständnis im 21. Jahrhundert geht“. Grütters, die an den Jurysitzungen teilgenommen hatte, freut, dass der Sieger aus Italien stamme: „Das steht uns gut zu Gesicht, gibt dem Projekt eine internationale Note.“ In diesem Geist sollte auch über die endgültige Nutzung entschieden werden. Neben den außereuropäischen Sammlungen der Staatlichen Museen aus Dahlem werden Teile der Berliner Landesbibliothek und die wissenschaftlichen Sammlungen der Humboldt-Universität hier einziehen.

Mit dem Humboldt-Forum erhält die Stadt in ihrem Zentrum weitgehend den historischen Grundriss zurück. Schloßplatz und Schloßfreiheit werden als Stadtplätze wieder entstehen. Stella schafft in seinen Plänen im Humboldt-Forum einen öffentlichen Durchgang – Tiefensee nennt es Schlossforum – der eine Verbindung zwischen der Breiten Straße im Süden und dem Lustgarten im Norden schafft. Diese Verbindung soll eine stärkere Anknüpfung des Gebäudes mit dem Lustgarten und der anschließenden Museumsinsel herstellen, was eine weitere stadtplanerische Frage aufwirft: Was passiert mit der Karl-Liebknecht-Straße?

Sie schneidet mit ihren sechs Fahrspuren Schloss und Museumsinsel voneinander ab. Der Bund als Bauherr und die Staatlichen Museen wünschen sich, dass die Straße beide Areale nicht so hermetisch trennt. Der Senat soll bald Vorschläge machen, Senatsbaudirektorin Lüscher sieht darin aber keinen Auftrag, die Straße zurückzubauen. „Die Idee, das Humboldt-Forum zu vernetzen, bedeutet nicht, dass man ganze Straße aufhebt.“ Ein großzügigerer Fußgängerüberweg tue es vielleicht auch. (Seite 25)

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