Fiktiver Wettbewerb : Mit Luftschlössern gegen preußischen Barock

Auf Einladung des Kunstmagazins "Monopol“ haben renommierte Berliner Künstler den Entwurf für das Schloss von Franco Stella mit dicken Klunkern, Schichten von Penaten-Creme oder bunten Schlieren aus der Spraydose verziert.

Christine Meixner

Berlin bekommt ein Schloss mit barocker Fassade – und acht renommierte Berliner Künstler denken schon einmal darüber nach, wie man die üppigen historischen Gebäudeformen kaschieren kann. Auf Einladung des Kunstmagazins "Monopol" haben Christoph Schlingensief, Jonathan Meese, Thomas Rentmeister und Kalin Lindena den Entwurf von Franco Stella mit dicken Klunkern, Schichten von Penaten-Creme oder bunten Schlieren aus der Spraydose verziert. Für einen fiktiven Wettbewerb – ohne dass es einen Siegerentwurf gibt, ganz zu schweigen von der Aussicht auf Verwirklichung.

Ganz abwegig ist die Idee nicht. Wo immer der Staat als Bauherr auftritt, fließt ein Teil der Gesamtkosten in die sogenannte Kunst am Bau. Dass sich die Künstler bei ihren Vorschlägen weder ums Budget noch um die Machbarkeit ihrer Entwürfe scheren, zeigt, worum es den Beteiligten in Wahrheit geht. Um eine vergebliche und dennoch ernst gemeinte Kritik an „absolutistischer Machtpräsentation“ und „Fake Preußentum“.

Dagegen setzt Schlingensief sein afrikanisches Festspielhaus mit dörflichen Elementen und installiert Lori Hersberger eine leuchtende Neoninstallation, die an Künstlichkeit kaum zu übertreffen ist. Anselm Reyle schließlich überzieht das Schloss mit der vertrauten Fassade des Palastes der Republik und versöhnt so die Freunde verschiedener Epochen miteinander. Die Entwürfe hat man laut „Monopol“ per Einschreiben an Wolfgang Tiefensee geschickt – damit der Bundesbauminister eine Ahnung davon bekommt, was Luftschlösser sind. Auch, wenn er die aktuelle Ausgabe des Magazins nicht liest.

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