Humboldt-Forum : 4000 Quadratmeter für die Bibliothek

Der Senat hat die Flächenverteilung im neu zu errichtenden Humboldt-Forum auf dem Schlossplatz beschlossen. Verlierer ist die Sammlung der Humboldt-Universität.

Matthias Oloew

Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) hat sich durchgesetzt. Auf seinen Vorschlag beschloss der Senat gestern, dass die 5000 Quadratmeter Nutzfläche, die Berlin im künftigen Humboldt-Forum zustehen, wie folgt aufgeteilt werden: Die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) erhält 4000, die Humboldt-Universität (HU) 1000 Quadratmeter. Damit konnte sich der Koalitionspartner PDS/Linkspartei nicht durchsetzen. Sie forderte, den Anteil der Bibliothek zu verdreifachen und den Finanzierungsanteil Berlins am Gesamtprojekt aufzustocken.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz wird mit rund 31 000 Quadratmetern der größte Nutzer sein und die Ethnologischen Museen aus Dahlem unterbringen. Das wurde mit dem Bund bereits vorher ausgehandelt. Auf den verbleibenden rund 14 000 Quadratmetern sollen sich alle drei Nutzer zusammentun. Außerdem sind ein Museumsshop, Cafés und ein Restaurant geplant.

Die ZLB wird nun mit dem großen Medienbereich zu Tanz, Bühne, Film, Kunst und Musik in das Humboldt-Forum einziehen. Die Bibliothek soll die musealen und wissenschaftlichen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der HU in multimedialer Form ergänzen und sie mit der Gegenwart sowie den Fragen einer globalisierten Welt verknüpfen. Diese vernetzende Funktion wird außerdem in den zentralen Eingangsbereich des Humboldt-Forums eingebracht. Dort sollen die drei Nutzer künftig gemeinsame Veranstaltungen und Ausstellungen organisieren.

Die Fläche der Bibliothek ist ungefähr viermal so groß wie der alte Lesesaal in der Stadtbibliothek an der Breiten Straße. Der Altbau soll mit dem Humboldt-Forum zu einer organisatorischen Einheit verschmelzen. Die Strukturprobleme der ZLB, die derzeit auf drei Standorte und ein Außenmagazin verteilt ist, ließen sich durch die Senatsentscheidung nicht lösen, sagte Generaldirektorin Claudia Lux. Wartezeiten werde es für die Nutzer auch in Zukunft geben (siehe auch das Interview unten).

Die Pläne der Bibliothek sahen ursprünglich vor, im Humboldt-Forum über eine Million Bücher und Medien frei zugänglich aufzubewahren. „Das wäre ein Drittel unseres gesamten Bestandes“, erklärte Lux, „und hätte unsere Probleme für die nächsten 20 oder 30 Jahre gelöst.“ Mit der jetzt angestrebten Lösung müsse die Bibliothek auch künftig ihr Außenmagazin am Kreuzberger Erkelenzdamm aufrechterhalten. Das bedeute zusätzliche Kosten und verlängere die Wartezeiten für die Nutzer. Die Einrichtungskosten der neuen Bibliothek wird die ZLB nicht aus ihrem Etat bestreiten können. Diese Kosten sollen, so der Senat, in den Haushalt eingestellt werden – allerdings erst in der nächsten Legislaturperiode. Die Universität werde Einrichtung und Betrieb ihres Bereichs aus eigenen Mitteln bestreiten können.

Kernbereich der ZLB im Humboldt-Forum werde eine so genannte „Teaching Library“ sein, die insbesondere Kinder und Jugendliche ansprechen soll. Vor allem junge Leute mit Migrationshintergrund sollen durch das Angebot angesprochen werden. Der Architektenwettbewerb soll noch in diesem Jahr beginnen, ein Baubeginn für das Humboldt-Forum im Jahr 2010 sei möglich.

Die Hoffnung des Senats ist, dass die ZLB mit ihrem Angebot das Humboldt-Forum über das touristische Interesse hinaus belebt. Die Grünen glauben das nicht: Sie sehen die Bibliothek zu einem Anhängsel der Dahlemer Museen degradiert, „mit einer kleinen Abstellecke für ein paar verstaubte Wissenschaftsmodelle der HU“. Die CDU sieht hingegen die ZLB fehl am Platz. „Das Humboldt-Forum ist nicht dazu da, die Probleme dieser Kultureinrichtung zu lösen“, erklärte ihr kulturpolitischer Sprecher Michael Braun. 

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