Humboldt-Forum : Die Spenden sollen schneller fließen

Eine Stiftung fürs Schloss, dazu ein Förderverein: Wer macht was mit dem Geld der Bürger?

Christian van Lessen

10.JULI 2009

Die Grünfläche wird auf dem Schlossplatz eröffnet – und fast so aussehen, als sei sie eine Verlängerung des gegenüberliegenden Lustgartens. Sie könnte zur großen Attraktion werden. Allerdings nur für ein gutes Jahr..

HERBST 2010

Der Baubeginn für das Schloss ist angekündigt. Berlins Mitte wird zur größten Baustelle der Stadt. Zumal in Nachbarschaft auch die Verlängerung der U-Bahnlinie U 5 gebaut wird.

2013/2014

Das Humboldt-Forum im Schloss-Format wird fertiggestellt und bezogen. Der Bundestag hat Kosten von 552 Millionen Euro festgelegt. 440 Millionen trägt der Bund, 32 Millionen das Land – die restlichen 80 Millionen müssen aus privaten Spenden stammen.C. v. L.

Wenn am Freitag die provisorische Grünfläche auf dem Schloßplatz eröffnet wird, dürfte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher ganz zwangsläufig auf das Schloss, das Humboldt-Forum, zu sprechen kommen. Im Herbst nächsten Jahres soll auf der Grünfläche Baustart sein. Mit der vom Bund gegründeten gemeinnützigen Stiftung „Berliner Schloss-Humboldt-Forum“ kann in Kürze der Bauherr aktiv werden. Er soll alle Bauabschnitte kontrollieren und koordinieren – sich vor allem aber um eine mögliche Wackelpartie kümmern: Das Spendensammeln für die geplante Barockfassade, die mit 80 Millionen Euro veranschlagt ist. Bislang hat der Förderverein Berliner Schloss dafür 10,6 Millionen Euro gesammelt.

Dem Spendenstand entspricht nicht der Kassenstand von rund 2,5 Millionen Euro. Geld steckt nach Auskunft des Vereins in Planungen und Rekonstruktionen, in Verwaltung und Ausstellungen, im Info-Center. Der 2005 geschlossene Vertrag für Planungsleistungen an das Büro des zuvor ausgeschiedenen Vereinsmitglieds Rupert Stuhlemmer schlage bislang mit drei Millionen zu Buche. Das Büro werde aber nach Planungsfortschritt bezahlt. Für die Fassade seien 67 Millionen Euro veranschlagt, einschließlich aller Planungsleistungen ergäben sich dann 80 Millionen Euro, die der Förderverein sammeln wolle.

Die Stiftung, die noch in der Gründungsphase ist, soll nach Ansicht des Bundes „gewährleisten, dass die Spenden unmittelbar dem Wiederaufbau des Schlosses zugute kommen“. Sie soll mit privaten Spendenorganisationen kooperieren. Damit ist in erster Linie der Förderverein gemeint, dessen Geschäftsführer Wilhelm von Boddien die Stiftung als „willkommene Ergänzung“ bezeichnete. Der Verein habe erst seit 2004 Spenden für den Wiederaufbau des Schlosses sammeln können, weil es zuvor seitens der Politik keine verbindlichen Beschlüsse gegeben habe. Er sei stolz auf das bisher Erreichte und habe „den Mut, weiter am Erfolg zu arbeiten“. Das Bundesbauministerium betonte, es erwarte, dass der Verein die Spendenzusage einhalte. Die Stiftung, der auch Bundestagsabgeordnete, Vertreter des Bundes und des Landes angehören, mache ihn nicht überflüssig.

Die Stiftung wird vermutlich ein zentrales Konto einrichten, auf das Gelder auch anderer Sammlungen eingezahlt werden. Der Förderverein will „alle bereits gesammelten, noch nicht verfügten oder für seine künftige Arbeit nicht benötigten Gelder an die Stiftung übergeben“. Von Boddien kann sich vorstellen, dass Großspender „aus Gründen Ihres Ansehens“ lieber an eine Stiftung spenden. Der Geschäftsführer hält bürgerliches Engagement beim Spenden für „nur möglich, wenn Medien das Anliegen positiv kommunizieren“. Bürgerinitiativen hätten in der Regel kein Geld für Anzeigenschlachten. Das Spendengütesiegel sei dem Förderverein erst kürzlich erst „nach einer weiteren Prüfung unserer Bilanz verlängert“ worden. Ohne die Wiederaufbaupläne des Vereins hätte es keinen Wettbewerb für das Schloss gegeben, heißt es. Die Modelle von Pilastern, Kapitellen und sonstigen Fassadenteilen, die von Spender symbolisch erworben werden könnten, fänden am Bau keine Verwendung. Sie sollen als Prototypen Steinmetzbetrieben als Vorlage dienen.

Die Stiftung wird das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung mit dem Bau des Schlosses beauftragen. Bis zum Herbst soll die Entwurfsplanung des Preisträgers Franco Stella überarbeitet sein, hinzugezogen wurden die Architekten Hilmer & Sattler und Albrecht sowie Gerkan, Marg und Partner. Im Humboldt-Forum sollen die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Humboldt-Universität und die Zentral- und Landesbibliothek Platz finden.

Aber erst einmal wird die Grünanlage eröffnet. Sie kostet 1,4 Millionen Euro.

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