Humboldt-Forum : Es reicht nur für eine kleine Kuppel

Das Schloss bekommt eine Kuppel – aber weil das Budget nicht für das historische Vorbild reicht, soll eine einfache Version gebaut werden. Die Stiftung "Berliner Schloss" ist weiter auf der Suche nach Spendern.

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Mit oder ohne Kuppel? Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) hat eine Debatte über die Finanzierbarkeit des Schlosses losgetreten....Foto: ddp

Das Schloss bekommt eine Kuppel – aber nach dem derzeitigen Stand nur in vereinfachter Form. Dies bestätigte die vom Bund gegründete „Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum“, die auch Bauherr des Gebäudes ist. Im 480 Millionen Euro großen Budget für den Neubau nach alten Plänen seien die dafür erforderlichen „Kostenansätze in Höhe von sieben Millionen Euro enthalten“. Eine vollständige Rekonstruktion der historischen Kuppel würde aber nach Berechnungen des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung 15 Millionen Euro kosten. Spätestens bis zum Einreichen des Bauantrages im Frühjahr 2011 solle darüber entschieden werden, ob nur die „Umrisse“ der historischen Kuppel nachgezeichnet werden oder doch die große Lösung gewählt wird – wenn nämlich erheblich mehr Spenden fließen als ohnehin benötigt.

Am Montag hatte Bau- und Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) im Tagesspiegel erklärt, dass für die Kuppel sowie für Stuck und Bildhauerarbeiten in Innenhöfen des Stadtschlosses „zusätzliche 50 oder 100 Millionen Euro“ aufgebracht werden müssten. Bisher seien aber nur Spenden in Höhe von einer Million Euro geflossen. Laut Bundestagsbeschluss müssen rund 80 Millionen Euro aus privater Hand in die Rekonstruktion des Hohenzollernbaus fließen. Ramsauer bestätigte dennoch den Terminplan für die Schlossrekonstruktion. Der Bauantrag soll im Frühjahr 2011 eingereicht und das Schloss Ende 2017 eröffnet werden.

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Der Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, Wilhelm von Boddien, ist trotz Ramsauers Zweifel davon überzeugt, dass das Stadtschloss mit Kuppel gebaut wird. Er hält daran fest, dass sein Verein 80 Millionen Euro einsammeln kann. „Zwei Drittel der Spenden werden wie bei der Dresdner Frauenkirche erst dann fließen, wenn bereits Teile des Bauwerks zu sehen sind“, sagte er. Sobald ein Vertrag über die Aufgabenteilung mit der vom Bund gegründeten „Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum“ geschlossen ist, verspricht er dem Bauherrn einen „regelmäßigen Zufluss von Spenden“.

Die Stadtentwicklungsverwaltung ist durch Senatsbaudirektorin Regula Lüscher im Stiftungsrat, dem Kontrollgremium des Bauherrn, vertreten. Sprecherin Petra Rohland sagte: „Die Kuppel war Bestandteil des preisgekrönten Entwurfs von Franco Stella, und der Bundestag hat beschlossen, dass der Entwurf realisiert wird.“ Bisher sei beim Senat nichts von einer Änderung dieser Pläne bekannt.

Möglicherweise wird das Stadtschloss in mehreren Ausbaustufen realisiert. „Nicht alle Rekonstruktionswünsche werden sich gleich zu Anfang realisieren lassen, irgendwann aber sollte sich auch das Berliner Schloss neben Reichstag und Dom in die von Kuppeln geprägte Silhouette der Stadt einfügen“, sagt Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Und der Chef der Schloss-Stiftung Manfred Rettig hatte in einem früheren Gespräch dieser Zeitung erklärt, dass die Tragwerke und die Konstruktion des Humboldtforums so ausgelegt werden, dass das knappe Budget eine detailgetreue Rekonstruktion in der Zukunft nicht verhindert. So könne man einige Arbeiten „späteren Generationen“ überlassen – die historische Kuppel etwa? Rettigs Stiftung wird ab Mitte des Jahres die vorbereitenden Arbeiten für Ornamente und Figuren von Fassaden und Innenhöfen des Schlosses übernehmen. Boddiens Förderverein will diese Aufgaben abgeben. Die von seinem Verein beschäftigten Bildhauer würden zur Stiftung wechseln. Die Schloss-Stiftung baut ohnehin eine Bildhauerwerkstatt in Spandau auf. Boddiens Förderverein will sich dann auf das Spendensammeln konzentrieren. „Wir werden das Massengeschäft machen, um die Großspender wird sich die Stiftung selber kümmern“, so Boddien.

Weiteren Schub für die Spendenbereitschaft soll die „Humboldtbox“ bringen. Nach dem Vorbild der „roten Box“ am Potsdamer Platz wird sie Auskunft über den Bau und seine Nutzer geben, aber auch Platz für die Spendensammler bieten. Die Finanzierung der Box läuft unter der privaten Regie von „Megaposter“. Geschäftsführer Gerd Henrich sagt: „Die 25 Pfähle, die das Stahl- und Glasgebäude tragen sollen, wurden bereits 30 Meter tief in die Erde geschlagen“. Bis Dezember soll die Box stehen. Um die Finanzierung ist ihm nicht bange: Das Interesse an Werbeflächen auf der Baustelle sei groß.

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