Humboldt-Forum : Finanzkrise macht das Schloss billiger

Ein Ergebnis der Jury-Entscheidung zum Humboldt-Forum steht schon fest: Die riesige Baustelle wird die Innenstadt über mehrere Jahre weitgehend lahmlegen. Immerhin lässt die Rezession die Preise für Stahl und Beton drastisch sinken.

Matthias Oloew
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So könnte die Fassade des Humboldt-Forums aussehen -Simulation: Förderverein Berliner Schlosss e.V. -

Ein Ergebnis der heutigen Jury-Entscheidung zum Humboldt-Forum steht bereits fest: Die riesige Baustelle dafür wird die Innenstadt über mehrere Jahre weitgehend lahmlegen. Denn neben dem Schloss soll fast zeitgleich mit dem Bau für die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 begonnen werden und am Schlossplatz ist ein Bahnhof geplant. Bisher sollen beide Bauarbeiten 2010 beginnen.

Die Kosten für das Humboldt-Forum hat der Bund als Bauherr auf 552 Millionen Euro gedeckelt. Die teilnehmenden Architekten am Wettbewerb sollten nach Angaben des Bundesbauministeriums nachweisen, dass ihre Pläne auch für diesen Betrag zu verwirklichen sind. „Nach der Jury-Entscheidung werden wir diese Kalkulationen überprüfen und sicherstellen, dass der Neubau für diese Summe zu errichten ist“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums auf Anfrage.

Die Chancen stehen dafür derzeit besser als noch vor einigen Monaten. Durch die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Rohstoffpreise, zum Beispiel für Stahlbeton, massiv eingebrochen. Im Sommer rechnete das Bauministerium noch damit, dass vor allem aufwendige Neubauten in einem Umfang von 100 Millionen Euro und mehr bis zu doppelt so teuer werden können. Bei der aktuellen Entwicklung der Rohstoffpreise könne davon keine Rede mehr sein, erklärt ein Sprecher des Hauptverbandes der deutschen Bauindustrie. Das Ministerium ist vorsichtiger: „Es ist zu früh, um die Auswirkungen auf die Baupreise abzuschätzen.“

Der Preisverfall auf dem Weltmarkt betrifft auch den Stahlschrott. Bis zum Sommer konnte der Senat beim Verkauf des Stahls aus dem Palast der Republik noch Höchstpreise erzielen. Jetzt sind die Preise gleichfalls im Keller, aber die Behörde sitzt noch auf reichlich Stahl: „Der Verkauf wird sich noch bis in die Mitte des kommenden Jahres hinziehen“, sagt ein Sprecher der Stadtentwicklungsverwaltung. Bisher habe Berlin aus dem Verkauf 4,6 Millionen Euro erlöst.

Auf einen möglichen Rückgang der Baukosten und damit auf die Einhaltung der 552-Millionen-Kostengrenze zu spekulieren hält auch der Architekt Philipp Oswalt für verfrüht. „Das wäre nicht seriös“, sagt der Kritiker der Rekonstruktion der barocken Schlossfassaden. Er glaubt umgekehrt, dass die Kosten für die Fassaden seitens des Bauministeriums schöngerechnet seien. Statt 80 Millionen Euro würden sie 120 bis 130 Millionen Euro kosten. Das Ministerium weist das zurück. „Alles falsch“, sagt eine Sprecherin der Ministeriums, „die 80 Millionen Euro sind die Summe der Mehrkosten, die die Rekonstruktion der Fassade gegenüber dem Bau einer modernen Fassade kosten würde.“

Bei der Planung der Baustellenlogistik hat der Senat inzwischen einen Platz für die Humboldt-Box gefunden. Sie soll ebenfalls 2010 errichtet werden und über die Bauarbeiten und die Nutzung des Humboldt-Forums informieren.

Um einen Standort für die Box zu sichern, mussten Senat und BVG die Baustellenlogistik neu organisieren. Für die U-Bahn-Baustelle ist nun eine Zufahrt von der Karl-Liebknecht-Straße und eine Ausfahrt zum Schlossplatz geplant. Weil rund um die Baugruben für Container und Baumaterial kein Platz ist, werden große Teile des Marx-Engels-Forums dafür in Beschlag genommen. Die Grünanlage wird dann über Jahre nur sehr eingeschränkt zu nutzen sein.

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