Humboldt-Forum : Geschichte einrichten in Berlin

Irgendwann wird es auf dem Schlossplatz glänzen, das Humboldt-Forum oder auch Stadtschloss, soweit es überhaupt wiedererstehen kann. Mit dem historischen Zierrat wird es wohl nicht viel.

Brigitte Grunert

Bei der Sprengung des Schlosses auf Ulbrichts Geheiß wurde zwar 1950 das Eosander-Portal gerettet, weil Karl Liebknecht vom Balkon dieses Portals am 9. November 1918 die „sozialistische“ Republik ausgerufen hat, aber es wurde dem Staatsratsgebäude vorgehängt, und da bleibt es der Blickfang, das ist ausgemacht.

Doch wir haben ja noch den neobarocken Neptunbrunnen von Reinhold Begas, und der soll nach einer – umstrittenen – Idee wieder vors Schloss, wo er, ein Geschenk des Berliner Magistrats an Kaiser Wilhelm II., seit 1891 stand. Seit 1966 ziert der Brunnen den weiten, aber kurioserweise namenlosen Platz vor dem Roten Rathaus. Bei der Restaurierung nach Kriegsschäden erhielt Neptun übrigens ein neues Brunnenbecken, und zwar aus rotem Marmor, aus „sowjetischem“, so wollte es der Zeitgeist, klar.

Neulich war die Rentnerin im Schloss Charlottenburg. Da fiel ihr beim Anblick des Großen Kurfürsten gleich die Frage ein, ob womöglich demnächst jemand auf die Idee kommt, auch ihn heimzuholen. Das barocke Reiterstandbild von Andreas Schlüter zierte ja seit 1703 dicht beim Schloss die lange Brücke (jetzt Rathausbrücke).

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Große Kurfürst vor den Bombenangriffen in Sicherheit gebracht. Doch beim Transport zu Wasser versank er im Tegeler Hafen. Dort ruhte er, zweifellos sicher, bis er 1949 geborgen wurde. Inzwischen war die Stadtverwaltung seit dem 30. November 1948 gespalten, und so blieb der bronzene Fürst im Westen. Im Ehrenhof des Schlosses Charlottenburg erhielt er 1951 einen würdigen Platz. Nun war aber der Sockel im Osten, also reitet er seit 1952 auf einer westlichen Sockel-Kopie. Im Bodemuseum reitet umgekehrt eine östliche Kopie des Kurfürsten auf dem Sockel-Original. So ist das. Was die Geschichte angerichtet hat, lässt sich nicht mehr genauso einrichten wie es war.

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