Humboldt-Forum : Historisch und doch modern

Jan Kleihues stellt seinen unterlegenen Entwurf vor.

Matthias Oloew

Der Schlüterhof sollte das eigentliche Zentrum werden. Hier hat Jan Kleihues bei seinem Entwurf für das Humboldt- Forum genannte Stadtschloss die zentralen Eingangsbereiche vorgesehen und den Kontrast zwischen den drei wiederzuerrichtenden Barockfassaden und der einen Neubauseite des Innenhofs durch eine Fuge betont. Doch die Pläne des Büros Kleihues und Kleihues überzeugten die Jury nicht zu Gänze: Beim Wettbewerb belegte das Berliner Büro einen der vier vergebenen dritten Plätze.

Kleihues, der in Berlin unter anderem das Maritim-Hotel an der Stauffenbergstraße errichtet und für die Neubaupläne für den Bundesnachrichtendienst ebenso verantwortlich zeichnet wie für die Geschäfts- und Wohnhäuser auf den ehemaligen Wertheim-Grundstücken am Leipziger Platz, hat sich, wie der Wettbewerbsgewinner Franco Stella, treu an die Vorgaben gehalten. Gleichwohl sind seine Pläne deutlich weniger historisch als der Siegerentwurf.

Das fängt bei der Kuppel an. Sie hat Kleihues mit Natursteinen einerseits geschlossen, anderseits durch Schlitze so weit geöffnet, dass reichlich Licht in die darunterliegende, beeindruckende 35 Meter hohe Ausstellungshalle für die sogenannte Galerie der Weltkunst fallen kann. Anders als Stella baut Kleihues den Eosanderhof nicht nach, sondern kontrastiert historische Gebäudeteile und Neubauelemente durch weitgehend glatte Natursteinfassaden. Aufgebrochen durch große Fensterflächen öffnen sich diese Fassadenteile in die beiden Höfe des Schlosses, aber auch nach Osten, zum Fernsehturm hin. Stella sieht an dieser Stelle ein Belvedere vor, das sich als rückwärtiger Riegel an den Schlüterhof an- und das Humboldt-Forum zur Spree abschließt.

Kleihues will auch den sogenannten Apothekerflügel des alten Schlosses neu errichten, den Stella nicht vorsieht. Dieser Gebäudeteil, der sich parallel zur Spree bis zur Karl-Liebknecht-Straße vorschiebt, soll ebenfalls modern ausfallen. Der Grund dafür ist einfach: „Wenn ich in Zukunft von den Linden komme, sehe ich nur historische Fassaden“, sagt Jan Kleihues, „das wollte ich nicht.“ Seine Pläne mit dem modernen Apothekerflügel und der modernen Kuppel sollen schon von Ferne zeigen: Hinter diesen Fassaden steckt etwas völlig Neues.

Aus Respekt vor den historischen Fassaden übernimmt Kleihues jedoch weitgehend die Geschosshöhen des alten Schlosses und macht so aus Fassade und Neubau eine Einheit. Dennoch sind alle drei Nutzungsteile des Humboldt-Forums – also die außereuropäischen Sammlungen der Staatlichen Museen, die wissenschaftliche Sammlung der Humboldt-Universität und die Landesbibliothek – bei Kleihues getrennt voneinander zu betreten – und zu betreiben. „Die Bibliothek kann geöffnet sein, wenn das Museum bereits geschlossen ist und umgekehrt“, sagt Kleihues.

Übrigens: Kleihues’ Entwurf würde zur umstrittenen Rathausbrücke passen, die der Senat im kommenden Jahr errichten will. Gegen diese Pläne gibt es Protest, weil eine moderne Brücke nicht in den historisierenden Kontext der Schlossfassaden passe. Wohl aber zur Kleihues’schen Rückfront. Matthias Oloew

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