Humboldt-Forum : ''Kein Disneyland im Stadtschloss''

Das Humboldt-Forum im künftigen Stadtschloss wird kein "Multikulti-Tamtam" zeigen, meint der Präsident der Humboldt-Universität. Die Ausstellung werde anspruchsvoll präsentiert sein. Ab 9. Juli wird sie auf der Berliner Museumsinsel vorgestellt.

BerlinDie künftige Ausstellung der Weltkulturen im Berliner Stadtschloss wird nach den Worten des Präsidenten der Humboldt-Universität, Christoph Markschies, auf "jeden Multikulti-Tamtam" verzichten. "Wir wollen kein Disneyland im Humboldt-Forum, um möglichst viele Leute zu gewinnen, sondern eine anspruchsvolle Präsentation außereuropäischer Kulturen über die Spartengrenzen von Natur- und Geisteswissenschaften hinweg", sagte Markschies in Berlin.

"Die Leute sollen dort mit 'roten Ohren' herausgehen. Von Wilhelm und Alexander Humboldt kann man lernen, wie man große Wissenschaft ohne Trivialisierung in die breite Öffentlichkeit bringt", sagte Markschies. "In Humboldts Kosmos-Vorlesungen saßen alle - vom König bis zum Schuster."

Im künftigen Schlossgebäude mit 40.000 Quadratmetern Nutzfläche wird das Humboldt-Forum als Schaufenster für Kultur und Wissenschaft errichtet. Dort sollen die außereuropäischen Sammlungen der Berliner Museen gezeigt werden, die sich derzeit in Dahlem befinden. Hinzu kommt eine einschlägige Auswahl aus den wissenschaftlichen Archiven der Humboldt-Universität sowie Bestände der Landesbibliothek Berlin.

Die künftigen Ausstellungen für das Humboldt-Forum werden ab 9. Juli im Alten Museum auf der Berliner Museumsinsel vorgestellt. Das sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, am Montag. Die drei gemeinsamen Nutzer, zu denen auch seine Einrichtung gehört, wollten dort ihre Pläne präsentieren. "Damit die Berliner endlich wissen, was sie im Humboldt-Forum einmal erwartet."

Gemeinsames Projekt dreier Institutionen

Die drei Partner bei der Nutzung des Forums sind die Humboldt-Universität, die Landesbibliotheken Berlin und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, in der die staatlichen Museen von Berlin zusammen geschlossen sind. Sie koordinieren ihre Arbeit untereinander. Der Präsident der Humboldt-Universität, Christoph Markschies, sagte, ein Generalintendant sei für die Zusammenarbeit nicht notwendig. "Die Generalintendanten sind die Verantwortlichen der drei Einrichtungen und sie haben jeweils kluge Fachleute", sagte der Universitätspräsident, "die brauchen nicht noch einen Generalintendanten".

Denkbar sei, dass die Direktoren der beteiligten Einrichtungen sich regelmäßig als Sprecher abwechseln. "Es gab ja auch zwei Brüder Humboldt", fügte Markschies hinzu. Das Humboldt-Forum werde eine "ganz andere Form der Präsentation von Wissenschaft" bieten, die nicht wie traditionell nur Texte bietet, sondern sich auf Objekte und der wachsenden Nähe von Natur- und Geisteswissenschaften stützt. "Die Besucher sollen merken, dass sie nicht in einem klassischen Spartenmuseum sind". So könnten etwa neben einer altamerikanischen Stele auch die einst umliegenden Pflanzen und Gräser gezeigt werden."

Die klassische Trennung von Natur-, Kunst- und Ethnologiemuseums wird hier aufgehoben. Die Humboldt-Universität wird darüber hinaus gemeinsam mit den Staatlichen Museen die Kunstkammer rekonstruieren, die die Keimzelle von Museum, Universität und Bibliothek ist und verständlich macht, warum diese drei Institutionen im Schloss wieder zusammenkommen.

Zusammenspiel von Gebäude und Forum

Diese Einheit, wie sie auch die Brüder Humboldt verstanden, werde auch durch das Gebäude signalisiert, das den Aufbau der historischen Fassaden des Hohenzollernschlosses vorsieht. Der italienische Architekt Franco Stella setze mit seinem Entwurf ein Zeichen. "Fassade und Gebäude bilden eine Einheit", betonte Markschies.

Der Bau des Humboldt-Forums soll 2010 beginnen und bis 2013/2014 abgeschlossen sein. Laut einem Beschluss des Bundestags-Haushaltsausschusses dürfen die Kosten 552 Millionen Euro nicht überschreiten, worin 80 Millionen Euro für den Nachbau der barocken Stadtschloss-Fassade eingeschlossen sind. Diese Teilkosten sollen durch einen privaten Verein aufgebracht werden. (jnb/ddp/dpa)

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