Humboldt-Forum : Schliff am Schloss: Jetzt beginnt die Feinplanung

Enge Zugänge, funktionslose Portale: Die Diskussion um die Ausgestaltung des Humboldt-Forums reißt nach der Kürung des Siegerentwurfs nicht ab. Bis zum Baubeginn 2010 müssen noch viele Ungereimtheiten geklärt werden.

Christian van Lessen
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Unpassend? Die moderne Spreeseite des Siegerentwurfs -Foto: Mike Wolff

Wie sich Architekt Franco Stella das Schloss vorstellt, wird es nicht gebaut – davon ist der Berliner Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wieland (Grüne) überzeugt. Andere Entwürfe für das Humboldt-Forum hätten wesentlich bessere Lösungen vorgeschlagen. „Deshalb wird die Diskussion jetzt erst recht weitergehen“, meint Wieland. Stella hatte gestern vor 30 Konkurrenten aus der engeren Wahl den Architektenwettbewerb gewonnen, der Baubeginn für das 552-Millionen-Projekt soll 2010 sein.

Wieland, der geladener Gast des Preisgerichts war, kritisiert „erhebliche Mängel“. Durch die engen Zugänge gelange das Publikum in einen „funktionslosen Schlauch“ zwischen den Innenhöfen. Die „Agora“ als öffentlicher Mittelpunkt sei nicht ausgestaltet, zur Spreeseite werde ein Riegel vor das Schloss gesetzt. Es fehle vor allem die gewollte Öffnung zur Stadt und zum Publikum. Die weitere Diskussion sei dringend nötig, „nicht aus der Berliner Lust am Meckern, sondern weil der zentralste Platz Deutschlands nicht irgendein, sondern ein großartiges Gebäude verlangt“, meint Wieland.

Auch Wilhelm vom Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, sieht „im Inneren erhebliche Mängel“, aber das sei nicht ungewöhnlich vor der jetzt beginnenden neunmonatigen Feinplanung. Die Schlossfigur von Stella werde gebaut, aber der Architekt habe bislang, da das Wettbewerbsverfahren anonym war, nur einen gelungenen „Massenverteilungsplan“ vorgelegt, ohne mit den künftigen Nutzern, den Staatlichen Museen, der Landesbibliothek und der Humboldt-Universität, sprechen zu können. „Im Inneren wird sich vieles ändern“. Von Boddien kann sich beispielsweise nicht vorstellen, wie eine Bibliothek beiderseits der geplanten Nord-Süd-Passage funktionieren soll, auch stören ihn funktionslose Portale des dreiseitig rekonstruierten Schlüterhofes.

Überzeugend findet er wiederum den Bau von zwei Ausstellungstürmen im überdachten Eosanderhof. Aber jetzt könne die Innenplanung erst richtig beginnen, es gehe um „positives Weiterdenken“ eines Konzepts, das mit dem vorgesehenen Geld auskomme und das Volumen erfülle. Stella habe das städtebaulich überzeugendste Konzept vorgestellt und – anders als andere Architekten – eine moderne klassische Ostfassade ohne modische Gags entworfen. Er habe dem Schlüterhof eine moderne Westwand verpasst, die den Rhythmus der historischen drei anderen Seiten aufnehme.

Noch sei der Entwurf ohne Verbindlichkeit, aber voller großer Chancen, meinte der Geschäftsführer des Fördervereins. Auch die „Agora“, die über den westlichen Eosanderhof und die Nord-Süd-Passage erschlossen werde, müsse noch Gestalt annehmen. Hier sei Platz für Cafés und Museumsshops, aber nicht für eine Ladenstraße.

Wieland sieht dagegen an dem Entwurf Stellas, anders etwa als beim Architekten Hans Kollhoff, nichts, was auf eine Agora, einen öffentlichen „Marktplatz“ des Gebäudes, gar der ganzen Stadt, hinweist. Auch störe ihn, dass eine Erschließung des Forums von Osten her fehle. Es müsste eine durchgehende Passage nicht nur von Nord nach Süd, auch von Ost nach West geben.

www.tagesspiegel.de/schlossplatz

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