Humboldt-Forum : Schlosskuppel nicht zwingend

Ob das Berliner Schloss, das in den kommenden Jahren als Sitz des Humboldt-Forums errichtet werden soll, eine Kuppel bekommen wird und wie diese aussehen soll, ist zwischen Bundesregierung und Abgeordneten umstritten.

B. Schulz/R. Schönball

Noch ist der erste Spatenstich nicht getan, da gibt es bereits heftigen Streit um den abschließenden Bauteil. Ob das Berliner Schloss, das in den kommenden Jahren als Sitz des Humboldt-Forums errichtet werden soll, eine Kuppel bekommen wird und wie diese aussehen soll, ist zwischen Bundesregierung und Abgeordneten umstritten. Bau- und Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) erregte mit seiner im Tagesspiegel geäußerten Ansicht, aus Kostengründen könne die historische Kuppel nicht gebaut werden, Widerspruch von Abgeordneten aller Parteien, die am 4. Juli 2002 für den Bau des Humboldt-Forums in der Kubatur des alten Schlosses mitsamt den Barockfassaden sowie dem Schlüterhof gestimmt hatten.

Der Vorsitzende des Fördervereins Berliner Schloss, Richard Schröder, sagte dem Tagesspiegel am Dienstag: „Auf eine Pseudo-Kuppel sollte man lieber verzichten.“ Wenn nicht genug Geld da sei, dann müsse man die Aufgabe „der nächsten Generation überlassen“. Allerdings sei die Schlosskuppel seinerzeit als „Pendant zur Domkuppel“ entworfen worden, ein Verzicht würde „merkwürdig in der Stadtsilhouette aussehen“. Schröder ist überzeugt davon, dass „der Geschmack beim Bauen kommt“ und die Spendenbereitschaft deshalb noch wachsen werde.

Formal aber ist Ramsauer im Recht: Zwingend ist der Bau der Kuppel nicht. Denn der Bundestagsbeschluss von 2002 sah bindend nur die Rekonstruktion der drei Barockfassaden sowie der Innenfassaden des Schlüterhofes vor. Die Wiedererrichtung der erst Mitte des 19. Jahrhunderts aufgesetzten Schlosskuppel wurde ebenso als wünschenswerte Möglichkeit bezeichnet wie die Rekonstruktion historischer Innenräume. Dem Architektenwettbewerb, dem der Bundestag die Grundlage gab, sollte nicht durch zu viele zwingende Vorgaben eingeschränkt werden. Tatsächlich hieß es in der endgültigen Ausschreibung, „die Errichtung einer Kuppel im Bereich des ehemaligen Hauptportals“ sei „vorzusehen“ – es muss aber nicht zwingend die Rekonstruktion der historischen Kuppel von F. A. Stüler sein. Die Bundesregierung hatte bereits im Juli 2007 verkündet, der Bau einer Kuppel sei „in der Planung berücksichtigt“.

Ramsauers Amtsvorgänger Wolfgang Tiefensee (SPD), der den siegreichen Wettbewerbsentwurf des Italieners Franco Stella umzusetzen hatte, machte daraus eine Preisliste für Zusatzwünsche. Die historische Kuppel schlüge demzufolge mit 15 Millionen Euro Zusatzkosten zu Buche, die in der vom Bundestag zwingend festgeschriebenen Bausumme von 552 Millionen nicht enthalten seien. Lediglich ein konstruktives Gerüst, das eine spätere Vervollkommnung der Kuppel ermöglicht, ist in den Bauunterlagen enthalten. Ebenso ist die Rekonstruktion der Innenseite des gewaltigen Eosanderportals unter der Schlosskuppel, des künftigen Haupteingangs zum Humboldt-Forum, nicht vorgesehen. Im derzeitigen Planungsstand ist indes die vollständige Ausführung des Barockportals enthalten. Generell sieht das Bauministerium „eine gewisse zeitliche Entkoppelung zur Wiedererrichtung der historischen Fassaden gegenüber dem übrigen Baukörper“ als „sinnvoll und machbar“ an.

Übrigens: Die Anträge zur „Wiedererrichtung des Berliner Schlosses“ aus der vergangenen Legislaturperiode tragen auch Ramsauers Unterschrift – als damaliger Vizechef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. B. Schulz/R. Schönball

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