Humboldt-Forum : Stellas Schlossplaner kommen aus der Möbelbranche

Der Bruder des Architekten Franco Stella stellte Mitarbeiter seiner Firma für Designer-Mögel frei für den siegreichen Schloss-Entwurf. Am Mittwoch verhandelt das Düsseldorfer Gericht über die Vergabe.

R. Schönball,D. Boese
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Als Franco Stella vor einem Jahr die Baustelle am Schlossplatz besuchte, wurde er noch als verdienter Sieger des...Foto: ddp

Am morgigen Mittwoch verhandelt das Oberlandesgericht Düsseldorf über die umstrittene Vergabe des Auftrags für den 550 Millionen Euro teuren Bau des Berliner Stadtschlosses an Franco Stella. Dazu hat der Architekt aus Vincenza ein Schreiben vom Präsidenten der Architektenkammer aus der italienischen Provinz vorgelegt. Dieser bescheinigt Stella, dass der Architekt die Bedingungen für eine Teilnahme an dem Wettbewerb um die Gestaltung des Schlosses erfüllt habe.

Nur Büros mit mindestens drei Mitarbeitern oder einem Umsatz von 100 000 Euro im Jahr waren berechtigt, an dem Wettbewerb um die anspruchsvolle Aufgabe teilzunehmen. Der Kammerpräsident versichert in dem zweiseitigen Schreiben, das dem Tagesspiegel vorliegt, Stella habe drei Mitarbeiter gehabt. Diese seien als Angestellte der Firmen von Stellas Bruder Alberto geführt und Franco per Werkvertrag überlassen worden. Bruder Albertos Firma „Estel“ stellt Designer-Möbel her.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf ist die zweite Instanz, die über die Rechtmäßigkeit der Vergabe des lukrativen Auftrags durch den Bund an Stella entscheidet. Zuvor hatte das Kartellamt den Vertrag, den das Bundesbauministerium mit Stella geschlossen hatte, wegen Verstößen gegen das Vergaberecht für „nichtig“ erklärt. Geklagt hatte der im Wettbewerb drittplazierte, Hans Kollhoff, nachdem das Stadtmagazin Zitty veröffentlicht hatte, dass Stella möglicherweise nicht die Voraussetzungen für eine Teilnahme am Wettbewerb erfüllte.

Im Schreiben des Präsidenten der Architektenkammer von Vincenza, Giuseppe Pilla, vom 14. September heißt es: „Ich kann bestätigen, dass die drei Architekten mit dem Büro des Architekten Franco Stella in einem Arbeitsverhältnis standen, das einem dauerhaften abhängigen Beschäftigungsverhältnis entspricht.“ Grundlage sei ein „Werkvertrag zur Erstellung eines geistigen Werkes“ gewesen, der zwischen Stella „und den Gesellschaften Estel Office/Estel S.p.a./Fascina Real Estate abgeschlossen wurde“.

„Estel“ ist der Name der Möbelfirma, die Francos Vater 1937 gründete, und die heute von Francos Bruder, Alberto Stella, geführt wird. Die Firma produziert italienische Designer-Möbel für Büro-, Wohn- und Veranstaltungsräume. Als Käufer führt die Firma Barack Obama an, Silvio Berlusconi und den Fiat-Erben John Elkann. Die beiden Staatschefs und der Industriellen-Spross sollen den Tisch „Doge“ erworben haben.

Unklar ist, ob die drei Estel-Mitarbeiter, die Franco Stella bei seinem Entwurf für das Berliner Stadtschloss zur Seite gestanden haben sollen, überhaupt Architekten sind. Auch dies zählte zu den Voraussetzungen für eine Teilnahme am Wettbewerb. Kammerpräsident Pilla zufolge soll Franco Stella ihm „certificato de laurea“ (Abschluss-Zertifikate) der genannten Mitarbeiter vorgelegt haben.

Das ist indes ein Diplom, das nach italienischem Recht noch nicht zur Ausübung des Architekten-Berufs berechtigt. Erst ein zusätzliches staatliches Examen berechtigt zur pflichtgemäßen Eintragung in das italienische Architektenverzeichnis. Darin sind die drei Architekten nicht verzeichnet, anders als Franco Stella selbst und ein von ihm ferner genannter Mitarbeiter Michelangelo Zucchini.

Stellas Bruder Alberto half seinem Bruder schon in der Vergangenheit aus – mit Aufträgen. Im Werkverzeichnis von Franco Stella wird die „Estel Villa“ in Thiene genannt. Dabei handelt es sich um Albertos Wohnhaus. Das soll angeblich im Jahr 1990 von Franco Stella erbaut worden sein.

Nachdem Franco Stella den Wettbewerb für das Berliner Stadtschloss gewonnen hatte, waren bei anderen Wettbewerbern bald Zweifel an dessen Berechtigung zur Teilnahme aufgekommen. Stellas Werkliste gibt das Projekt der Messe in Padua an, das er gemeinsam mit dem deutschen Walter Noebel umsetzte, daneben aber nur wenige Bauten nach 1990: neben der Villa Estel ein Mehrfamilienhaus in Potsdam (1998).

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