Humboldt-Forum : Stiftung für das Stadtschloss gegründet

Trotz der neuen Vorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe des Auftrags für die Planung und den Bau des Stadtschlosses an den Architekten Franco Stella dringt der Bund auf eine zügige Realisierung des Projektes.

Ralf Schönball
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Der Architekt des Berliner Stadtschloss-Neubaus soll die Vergabebedingungen nicht erfüllt haben. -Simulation: Eldaco

Trotz der neuen Vorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe des Auftrags für die Planung und den Bau des Stadtschlosses an den Architekten Franco Stella dringt der Bund auf eine zügige Realisierung des Projektes. Seit 1. November hat der neue Vorstand der Stiftung Stadtschloss, die als Bauherr bei dem Projekt auftreten wird, seine Arbeit aufgenommen. Der frühere Chefplaner des Regierungsumzugs von Bonn nach Berlin, Manfred Rettig, hat als neuer Stiftungschef bereits Gespräche mit dem Förderverein Stadtschloss aufgenommen. Noch im Dezember könnte es eine erste Pressekonferenz der beiden Einrichtungen geben.

Der Termin dürfte frühestens nach der Anhörung des Oberlandesgerichts Düsseldorf am 2. Dezember erfolgen. Dort wird über die Rechtmäßigkeit der Vergabe der lukrativen Aufträge an Stella verhandelt. Aus Kreisen des Ministeriums ist zu hören, dass man „siegesgewiss“ in die Verhandlung gehe. Wegen des „laufenden Verfahrens“ wollte man sich aber nicht zu den neuen Vorwürfen äußern. Wie gestern berichtet, war der Bund viel früher als bisher bekannt über die Bedenken an der Rechtmäßigkeit von Stellas Teilnahme am Wettbewerb informiert.

Zu den Auseinandersetzungen wollte sich Rettig nicht äußern. „Schloss oder nicht“ – das sei kein Thema für ihn. „Es gibt einen Parlamentsbeschluss. Die neue Bundesregierung steht zu diesem Votum. Jetzt geht es an die Umsetzung – und das ist mein Job“, sagte er auf Anfrage. Der 57-jährige Architekt und Städteplaner war von 2001 bis vor kurzem Geschäftsführer der Bundesbaugesellschaft Berlin. Die Gesellschaft hatte die Bauten des Bundestages und das Bundeskanzleramt im Spreebogen errichtet. Weder Kosten noch Zeitplan liefen dabei aus dem Ruder.

Als „drei Standbeine“ der Stiftung nennt Rettig: „die Bauherrenfunktion, das Einwerben von Spenden und die Öffentlichkeitsarbeit für das Schloss“. Die Stiftung sei mit 250 000 Euro ausgestattet – zum Jahresbudget äußerten sich weder Rettig noch das Bauministerium. Ein zweiter Vorstand, der künstlerische Fragen verantworten soll, ist noch nicht benannt. Rettig zufolge wird die Stiftung in diesem Jahr sechs Mitarbeiter einstellen.

Als „wichtigen und ernsthaften Ansprechpartner“ bezeichnet der Stiftungsvorstand den Förderverein Stadtschloss. Rettig hofft darauf, dass die vom Förderverein eingesammelten Spenden „als Geld“ bei der Stiftung ankommen. Ob auch die vom Spendenverein in Auftrag gegebenen und von Bildhauern geschaffenen Gipsmodelle der Plastiken und Ornamente für die Schlossfassade Verwendung finden, kann Rettig noch nicht sagen. „Wir müssen erst bewerten, ob wir sie gebrauchen können.“ Die Modelle sollen bei den späteren Steinmetzarbeiten an der Schlossfassade als Vorbilder dienen.

Der Förderverein hat in die Herstellung der Modelle und in Pläne laut Bilanz über vier Millionen Euro investiert – nur 2,5 Millionen Euro Spendengelder sind noch als „liquide Mittel“ vorhanden. Fördervereinschef Wilhelm von Boddien sagt:  „Wir wollen im Dezember zusammen mit der Stiftung über die Aufgabenteilung informieren und eine Million Euro Spendengelder übergeben.“ Auch die fassadenmodelle werde man übertragen.

Die Grünen-Abgeordnete und Bauexpertin, Franziska Eichstädt-Bohlig, sagte zur Klage des drittplatzierten Architekten Hans Kolhoff: „Man hätte den zweiten und dritten Preisträgern bei der Realisierung eine Chance geben müssen“. Der Haushaltsausschuss müsse sich ohnehin mit den geplanten Baukosten von 550 Millionen Euro befassen: „Für das aktuelle Budget kriegt man nur ein Schloss light.“

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