Humboldt-Forum : Tiefe Einblicke ins Schloss

Die Ausstellung mit den Entwürfen zum Bau des Humboldt-Forums ist eröffnet. Doch welche Vorschläge werden dort gezeigt? Und was sagen die Besucher?

Matthias Oloew,Lothar Heinke
Humboldt-Forum
Das Büro Kühn Malvezzi erhielt für seinen Humboldt-Forum-Entwurf den Sonderpreis der Jury. -Simulation: Kühn Malvezzi

BerlinDie öffentliche Debatte ist eröffnet. Seit Dienstag läuft im Kronprinzenpalais Unter den Linden die Ausstellung mit den Wettbewerbsarbeiten um das Humboldt-Forum. Und schon wird hier wie in zahlreichen Internetforen leidenschaftlich diskutiert: Lag die Jury mit ihrem einstimmigen Votum für Franco Stella richtig? Oder kommen andere Arbeiten beim Publikum besser weg?

Entscheidend wird das Votum des Bundestags sein. Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) will den Ausschüssen des Parlaments vorschlagen, Stellas Entwurf möglichst in der jetzt dargestellten Version zu bauen. Der Italiener schlägt ein dreigeteiltes Humboldt-Forum vor, will nicht nur die barocken Fassaden außen und im Schlüterhof, sondern auch im Eosanderhof wiederherstellen und schließt das Gebäude nach Osten mit einem Belvedere ab, dessen Rasterfassade aus unverschlossenen Öffnungen bestehen soll – keine Fenster, keine Türen und jederzeit für die Öffentlichkeit erreichbar. Die Neugier auf den Siegerentwurf ist denn auch entsprechend groß.

Alle wollen zuerst die Nummer 1128 sehen. Dahinter verbirgt sich das Modell, mit dem Stella den ersten Preis im Wettbewerb um das Stadtschloss gewann. Man muss es nicht lange suchen, der Siegerentwurf im Maßstab 1:500 hat einen eigenen Raum im Kronprinzenpalais, wo seit gestern auf drei Etagen die 30 Wettbewerbsarbeiten ausgestellt sind.

Wie Spielzeughäuser aus Sperrholz sehen sie aus, die Entwürfe für den Bau mit den riesigen Dimensionen, ergänzt mit akribisch genauen großformatigen Zeichnungen der Fassaden, der Innenhöfe und -räume des künftigen Humboldt-Forums. Gewöhnungsbedürftig für den Laien ist die Architektursprache der Erläuterungen, sehr erholsam wirkt das, was die Kanzleramtsarchitekten Axel Schultes und Charlotte Frank ihrem Entwurf vorausschicken: „Das Alte kennen und lieben, ja, ja – und es ins Neue hinüberretten? Nun, hier auf der Schlossinsel muss nichts ’hinübergerettet’ werden, hier wird das Alte so geliebt, dass es sogar wiederauferstehen muss, das Alte der Stadt zuliebe, das Neue soll sich einsiedeln, dem Geiste und Namen Humboldts nah“.

Fachsimpelnd stehen Architekten in kleinen Grüppchen und besprechen die Entwürfe der Konkurrenz. Gelobt wird die Vielfalt der Gedanken, wie sie trotz einschränkender Vorgaben der Ausschreibung an den Entwürfen abzulesen ist. „Die Ausstellung ist super, alles sehr detailliert, man kann sich schon ganz gut vorstellen, wie das einmal wird“, sagen zwei Besucherinnen aus Wilmersdorf, Mutter und Tochter, die 80-jährige Seniorin kennt noch das alte Schloss und freut sich, „dass das da wieder hinkommt, wo es hingehört, nur eben modern gebaut“. „Wenn Sie irgendwo hinkommen – was wird sofort fotografiert?“, fragt die Tochter. „Natürlich immer das Alte.“

Nicht jeder mag das neue Alte. „Geschichtsvergessene Romantik“ schreibt ein Herr Pohl ins Gästebuch, ein anderer stellt die immer wieder ins Feld geführte Finanzfrage und meint, in Berlin würden Kindergärten geschlossen, „aber Hauptsache wir haben ein Schloss für 552 Millionen“. Apropos Geld: „Besser als Kriege zu finanzieren ist diese Idee vom Stadtschloss mit einer italienischen Note!“ heißt es weiter. „Ein Schloss ohne König!“ fragt einer verstört, ein anderer Besucher will „kein Schloss in meinem Namen“. „Ein furchtbares Monster“ sei dies, „ohne Apothekenflügel und den wertvollen mittelalterlichen Teil“ – so der Verfechter der reinen Lehre vom Stadtschloss, wie es einmal war.

So viele Meinungen im Gästebuch, eine knappe Stunde nach der Eröffnung der Modell-Ausstellung. Und manche werden rasch zu Experten. „Ich bin mit dem 1. Preis zufrieden, aber die (Rück-) Seite hat Kollhoff besser gelöst, moderner. Vielleicht kann man beides kombinieren?“ meditiert ein „Berliner in der dritten Generation“, Ansgar Vössing, und Elke Skjellat ergänzt: „Wir gehen mit einem guten Gefühl hier raus.“ Giolio und Brunella aus Italien, junge Architekten, hätten es lieber modern als „dies falsche Gebäude“, können aber verstehen, dass Berlin wieder ein altes Haus aufbaut – „ihr habt ja nicht so viel davon“.

Das Interesse an der Zukunft.

Die Ausstellung im Kronprinzenpalais Unter den Linden 5 ist bis zum 21. Dezember täglich von 12 bis 20 Uhr geöffnet. Eintritt frei.

Mehr Fotos zum Schloss unter

www.tagesspiegel.de

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