Humboldt-Forum : Vorerst keine Häuser vorm Roten Rathaus

08.07.2009 00:00 UhrVon Andreas Conrad, Sabine Beikler

Stadtpark oder Neubebauung: noch ist unklar, was mit dem Gelände zwischen Roten Rathaus, Alexanderplatz und künftigem Humboldt-Forum geschehen soll. Jetzt entschied der Senat: Das historische Areal wird frühestens 2017 umgebaut.

Stadtpark oder Neubebauung nach historischem Vorbild – die Spannbreite der Möglichkeiten für das Areal zwischen Rotem Rathaus, Karl-Liebknecht-Straße, Alexanderplatz und künftigem Humboldt-Forum ist extrem, die zu erwartende Debatte wohl heftig. Am Dienstag wurde im Senat immerhin ein Ablauf für die städtebaulichen Streitereien umrissen: Noch dieses Jahr Beginn der Diskussion mit öffentlichen Veranstaltungen, 2012 Gestaltungswettbewerb, Umgestaltung des Forums ab 2017. Diesen Fahrplan skizzierte Ingeborg Junge-Reyer (SPD), Senatorin für Stadtentwicklung, in der Senatssitzung, in der sie in ihrer Verwaltung entwickelte Grundsätze für die Umgestaltung des Areals vorstellte.

Besondere Eile sieht man für das Projekt nicht, verwiesen wurde auf die anstehenden U-Bahnarbeiten, die eine Neugestaltung bis auf weiteres ausschließen.

„Großstädtischer Park“ oder „intensiv genutzte urbane Räume“ – das zielt auf die neu entbrannte Diskussion darüber, wie historisch die „Historische Mitte“ denn nun wieder werden soll. Erhebliche Anleihen bei der Vergangenheit zeigt die Rekonstruktion des barocken Stadtschlosses, auch die Umgestaltung von Molkenmarkt und Klosterviertel, auf die sich SPD und Linke gerade geeinigt haben, lässt den alten Stadtgrundriss wiederaufleben. Beim Marx-Engel-Forum und der Fläche vor dem Roten Rathaus gehen die Meinungen aber auseinander. Schon Hans Stimann hatte sich als Senatsbaudirektor für eine Bebauung auf historischem Grundriss ausgesprochen, was Kulturstaatssekretär André Schmitz, unterstützt durch den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), unlängst ebenfalls vorschlug. In der Behörde Junge-Reyers hielt man dies für unzeitgemäß, verwies aufs „Planwerk Innenstadt“, wo das Areal als Grünfläche ausgewiesen sei.

Der CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzende, Frank Henkel, erklärte, Wowereit habe seine Position für die Bebauung des Areals nicht durchgesetzt: „Offenbar hat er sich dem Widerspruch in den eigenen Reihen gefügt.“ Dass die Umgestaltung nicht bald realisiert wird, ist allerdings auch der Kulturbehörde bewusst. Von Ausbremsen kann keine Rede sein, bestätigte deren Sprecher Thorsten Wöhlert. „Der Zeithorizont war allen Beteiligten immer klar“, sagte er dem Tagesspiegel. „Wenn wir in den übernächsten Doppelhaushalt, also 2014/15, erste Gelder einstellen, ist das nicht zu spät.“ Wowereit und Schmitz wollten die Debatte über Berlins historisches Zentrum anregen. „Wie lange haben wir über das Schloss und das Humboldt-Forum diskutiert!“, sagte Wöhlert. Eine ähnliche Diskussion wünsche man sich auch über das Gelände rund um das Rote Rathaus.

Der Bau des Humboldt-Forums soll Ende 2010 beginnen. Am Dienstag beschloss der Senat einen Bericht über das Planungsrecht. Anfang 2010 soll laut Junge-Reyer (SPD) der Bebauungsplan für das Schloss-Areal ausgelegt werden. Bis Sommer 2010 erwartet der Senat die Zustimmung des Abgeordnetenhauses – rechtzeitig zum Baubeginn. ac, chp, sib

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