Humboldt-Forum : Wie soll die Kuppel auf dem Schloss aussehen?

Unten barock, oben modern? Für das Humboldt-Forum ist die historische Kuppelform keineswegs beschlossene Sache. Der Chef des Fördervereins hat schon eine Präferenz - die könnte aber teuer werden.

Christian van Lessen

BerlinFür den Schlossneubau Humboldt-Forum, der 2010 beginnen soll, ist die historische Kuppelform keineswegs beschlossene Sache, auch eine moderne Lösung ist möglich. „Man wird sehen“, sagt Wilhelm von Boddien vom Förderverein Berliner Schloss. Er ist froh, dass es überhaupt eine Kuppel geben wird, der Bundestag hatte vor fünf Jahren nur den Aufbau von drei historischen Fassadenseiten ohne Aufsatz beschlossen. Im Zweifelsfall werde sich das Preisgericht vermutlich für die historische Lösung entscheiden, meint von Boddien. Gerade bei den Jury-Mitgliedern Vittorio Magnano Lampugnani und Petra Kahlfeldt hoffe er auf die nötige „Sensibilität“. Der Geschäftsführer ist auch für die historische Lösung. Die aber könnte vermutlich teurer werden, sagt er. „Dann müssten wir vielleicht die Spendensammlung erweitern.“

Für die historischen Fassaden will der Förderverein 80 Millionen Euro beisteuern, der Bundestag hat eine Obergrenze von 552 Millionen Euro gesetzt. Bislang sind 7,1 Millionen Euro gespendet, darüber hinaus „verbindliche Zusagen von 7,6 Millionen Euro gegeben. In den Simulationen vom Schlossneubau hat der Förderverein die historische Kuppel verwendet, von Friedrich Schinkel entworfen und von Friedrich August Stüler um 1850 ausgeführt, von Johann Gottfried Schadow stammten die Skulpturen. Mit dieser Kuppel wäre das Schloss 74 Meter hoch. Die ursprünglich von Eosander von Göthe geplante Kuppel, denen am Gendarmenmarkt oder auf dem Stadthaus ähnlich, hätte das Schloss auf 120 Meter erhöht. Letztlich bekam der Bau eine gedrungene Kuppel, die mit dem Eosander-Portal, so von Boddien, „nicht so viel zu tun hat.“

Aber eine neue Kuppel werde es schwer haben, sagt er und erinnert an die Restaurierung des Brandenburger Tores und die Diskussion um die Farbgebung vor einigen Jahren. Die Berliner entschieden sich für das gewohnte Bild in Steinfarbe, dabei war das Tor über Jahrzehnte schneeweiß angemalt. Nach Ansicht des Förderverein-Geschäftsführers könnten in der historisch aufgebauten Kuppel des künftigen Humboldt-Forums mit einer Raumhöhe von rund 40 Metern zwei große Säle – etwa als Leseräume für die Landesbibliothek – eingerichtet werden.

Auf der Internetseite des Fördervereins steht jetzt der Ausspruch von Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD): „Ab jetzt läuft die Uhr“. Große Erwartungen setzt von Boddien auf ein „freundschaftliches Gespräch“ mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am kommenden Montag. Der Verein hoffe auf den Bau einer „Humboldt-Box“ auf dem Schlossplatz im nächsten Jahr, in der sich jährlich Hunderttausende über das geplante Humboldt-Forum informieren könnten. Berlin solle sich seiner Chancen mit dem Schlossprojekt bewusst werden, heißt es. Spendengelder flössen reichlich, wenn es mit dem Bauen losginge, „da haben wir überhaupt keine Sorge.“ Mit der Stiftung Frauenkirche in Dresden hat der Förderverein Kontakt aufgenommen, um von den Erfahrungen beim Spendensammeln zu profitieren. „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden“. Die 2005 eingeweihte Frauenkirche war für rund 183 Millionen Euro aufgebaut worden, aus privaten Quellen (Spenden, Schenkungen, Erbschaften) kamen davon fast 103 Millionen Euro.

Der Förderverein will jetzt mehr an die Öffentlichkeit gehen und hofft, in Kürze das „Spendensiegel“ zu erhalten, eine Art Spenden-TÜV für die Gemeinnützigkeit. Das Gerede von der angeblichen Unseriosität werde damit verstummen, meint von Boddien. Für die historischen Fassadenteile bereitet der Verein die Serienproduktion in einer großen Bildhauerwerkstatt vor. Aber wie alles zusammenpassen wird, wird sich frühestens Ende nächsten Jahres nach Abschluss des Architektenwettbewerbs für das Schloss zeigen. Dann stellt sich auch heraus, wie die Kuppel auf dem Humboldt-Forum aussehen soll. 

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