Humboldtforum : Schloßplatz ist vorübergehend versandet

Das Gelände ändert ständig sein Gesicht. Bald soll der Rasen sprießen, danach kommt die Großbaustelle für das Humboldtforum.

Christian van Lessen
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Wie ein großer, heller Strand wirkt die Sandwüste, und Passanten reiben sich die Augen, schon weil bei leichtem Wind Sandwolken über den Platz treiben. Mitte Mai aber wird hier ausgesät, sechs Wochen lang darf der Rasen wachsen. Ende Juni könnten sich Sonnenfreunde auf die prominenteste Wiese der Stadt legen, an den grünen Strand der Spree. Vermutlich nur für eine volle Saison, denn nächstes Jahr soll der Bau des Humboldtforums, des Schlosses, beginnen.

Schon heute ist der Schloßplatz in Mitte ein Sammelsurium von Baustellen und für Passanten ein Hindernislauf. Allein die vielen Absperrungen und Bauschilder, die nähere Erläuterungen gerade für Ortsfremde schuldig bleiben: Da ist von einer „Übergangsnutzung Schloss-Areal, zweiter Bauabschnitt“ die Rede. Oder, wo es vor dem einstigen Staatsratsgebäude um die Freilegung von Resten eines Dominikanerklosters geht, von „Archäologischen Grabungen im Bereich Schlossplatz“. Noch immer wird der „Selektive Rückbau des Palastes der Republik“ angekündigt und der „Rückbau Breite Straße auf annähernd historische Breite“. Die soll übrigens im Mai 2009 erreicht sein. Vor Baustellen und Schildern sind die Konturen des Schloßplatzes nur noch zu ahnen.

Aber die Passanten staunen immer wieder über die Perspektiven, die sich zwischen Palast und Schloss bieten. Alle Gebäude um den Platz herum kommen jetzt mehr zur Geltung. Der Marstall, bislang in Randlage eher versteckt, erinnert an das alte Schloss, dem nur die Kuppel fehlt. Berliner Dom, Altes Museum und Lustgarten haben augenscheinlich mehr Gewicht. Der temporären Kunsthalle „White Cube“ hätten viele Betrachter angesichts neuer Sichtachsen größere Ausdruckskraft gewünscht. Aber sie muss bis Ende September 2010 ohnehin abgebaut sein. Größte Aufmerksamkeit erregt aber die Sandwüste, die sich schräg zur Spree öffnet. „Um das Höhenniveau zwischen Wasser und Straße auszugleichen, ist eine Böschung die einfachste und preiswerteste Lösung“, sagt Manuela Damianakis aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Die Betonseiten beiderseits der schrägen Ebene sind Reste der „Wanne“, mit der sich der einstige Palast ins Erdreich drückte. Das Erholungsgebiet auf Zeit soll auch mit „Absturzsicherungen“ versehen werden, damit Leute, die auf dem Areal liegen oder lustwandeln, nicht aus Versehen in die Spree fallen. Mit dem Bau von hölzernen Passagen, vorbei an freigelegten Kellerresten, hatte im letzten Oktober die „Zwischennutzung“ auf dem Schlossareal begonnen. Mehr als 600 000 Euro waren vorgesehen.

Auf der anderen Spreeseite geht es 2010 dem Marx-Engels-Forum ans Grün. „Vorbereitende Arbeiten“ kündigt die BVG für dieses Jahr an. Zunächst werden Archäologen nach Resten im Erdreich fahnden, dann muss das Forum als Baustelle für die U-Bahnlinie 5 herhalten. Die Spree wird hier lange Zeit das ruhigste Element bleiben.Christian van Lessen

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