Kostenplan gesprengt : Regierung: Berliner Schloss ist zu teuer

Das Bundesbauministerium fordert eine Überarbeitung der Pläne für das Berliner Stadtschloss. Der Kostenrahmen von 522 Millionen Euro darf nicht gesprengt werden. Das geht aus einem Bericht des Ministeriums hervor, der Tagesspiegel.de vorliegt. Architekt Franco Stella muss wohl noch einmal ran.

Sabine Beikler,Matthias Oloew

BerlinDer preisgekrönte Entwurf für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses sprengt die veranschlagten Baukosten von 552 Millionen Euro. Das geht aus einem Bericht des Bundesbauministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestages hervor, der dem Tagesspiegel vorliegt. Das Ministerium empfiehlt daher, den Architekten Franco Stella mit einer Überarbeitung seiner Pläne zu beauftragen, heißt es in dem Bericht weiter. Er solle unter anderem auf Rekonstruktionen barocker Fassaden im Innern des Gebäudekomplexes verzichten, um die Baukosten zu drücken.

Stellas Entwurf war am 28. November von der Jury des internationalen Architektenwettbewerbs einstimmig als Sieger gekürt worden. Der Italiener schlägt vor, nicht nur drei der Außenfassaden und den Schlüterhof nach dem barocken Vorbildern wieder herzustellen, sondern auch die Kuppel und auch den Eosanderhof als historische Kopien zu errichten. Doch dafür reicht das Geld nicht. Diese Rekonstruktionen seien „in der Kostenzusammenstellung nicht oder nicht in diesem Umfang vorgesehen“, heißt es in dem Bericht. Um die Baukosten einhalten zu können, bedürfe es „einer weiteren Analyse und Überarbeitung“ des bisherigen Entwurfs.

Abgespeckte Variante als Lösung

„Die zusätzlichen Wünsche des Architekten sind im beschlossenen Kostenrahmen von 552 Millionen Euro nicht zu realisieren“, sagte Gesine Lötzsch, haushaltspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag. Die Bundesregierung müsse dem Parlament darlegen, wie viel die Pläne des Architekten am Ende tatsächlich kosten sollten, und an welchen Stellen der Bund Einsparungen vornehmen wolle, forderte Lötzsch. Wie hoch die Mehrkosten des Stella-Entwurfs ausfallen, lässt das Ministerium offen. Auch der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Otto Fricke (FDP) erwartet eine strikte Einhaltung der Kostenobergrenze. Er forderte Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) auf, „offen zu sagen, was es kostet, damit nicht im Nachhinein stückchenweise draufgezahlt werden muss“. Gebe es einen begründeten Verdacht, dass die Kosten nicht eingehalten werden könnten, müsse der Ausschuss sofort informiert werden.

Das Bundesbauministerium geht jedoch davon aus, dass Stellas Entwurf in einer abgespeckten Variante eine „gute Grundlage zur Realisierung des Gebäudes innerhalb des vorgegebenen verbindlichen Kostenrahmens“ bilde. Stella sagte dem Tagesspiegel an, er werde alle Sparvorschläge ernsthaft prüfen: „Die Einhaltung der Kosten ist mein wichtigstes Ziel.“

Der Haushaltsausschuss hat für den Bau eine Obergrenze von 552 Millionen Euro festgesetzt. Darin enthalten sind 480 Millionen Euro für den Bau und 72 Millionen Euro für die Erstausstattung des Gebäudes. Von den 552 Millionen Euro entfällt ein Anteil von 32 Millionen Euro auf das Land Berlin, 80 Millionen Euro sollen aus Spenden für den Wiederaufbau der historischen Fassaden zur Verfügung gestellt werden.

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