Kritik : Kollhoff fordert Neustart für Stadtschloss-Projekt

Der Berliner Architekt Hans Kollhoff hat einen Neustart für das Berliner Stadtschloss-Projekt gefordert. Es sei naiv zu glauben, der beauftragte Architekt Franco Stella könne ein solches Großprojekt alleine stemmen, kristisiert Kollhoff.

Er habe nach dem Urteil des Oberlandesgerichtes Düsseldorf Zweifel daran, dass der Bau erfolgreich umgesetzt werden könne, sagte Kollhoff am Donnerstag dem RBB Kulturradio.

Dass das Projekt mit dem italienischen Architekten Franco Stella fortgesetzt werden könne, räume keines der Probleme aus der Welt. Es sei naiv zu glauben, Stella könne ein solches Großprojekt quasi als Ein-Mann-Schau stemmen, kritisierte der Berliner Architekt und forderte von der Politik, über einen Neustart nachzudenken. Dies sei durchaus auch mit dem Stella-Projekt möglich. Kollhoff fügte hinzu: "Aber so, wie das auf das Gleis gesetzt werden soll, wird es nicht funktionieren."

Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte am Mittwoch eine Entscheidung des Bundeskartellamtes aufgehoben, wonach der Vertrag mit Stella wegen Verstoßes gegen das Vergaberecht für nichtig erklärt worden war. Allerdings bleibt der Architektenvertrag rechtsunwirksam und muss neu abgeschlossen werden.

Stella hatte bei dem Architektenwettbewerb für das 550-Millionen-Euro-Projekt den ersten Preis gewonnen und den Auftrag des Bundes zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses in Form des Humboldt-Forums erhalten. Dagegen hatte das Berliner Architekturbüro Hans Kollhoff, das in dem Wettbewerb den dritten Platz erlangt hatte, ein vergaberechtliches Prüfungsverfahren eingeleitet.

Das Bundeskartellamt hatte den Vertrag mit Stella unter anderem für ungültig erklärt, weil die Mitbewerber nicht über den Vertragsschluss mit Stella informiert worden waren. Auch habe Stella zwei andere Architekturbüros in seine Planung mit eingebunden, die nicht an dem Wettbewerb beteiligt waren.

Das Humboldt-Forum soll von der Humboldt-Universität, der Zentral- und Landesbibliothek sowie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit ihren außereuropäischen Sammlungen genutzt werden. Das teilweise kriegszerstörte Stadtschloss war 1950 auf Anweisung der damaligen DDR-Machthaber gesprengt worden. (ddp)

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