Leserdebatte "Stadtschloss-Tunnel" : Tagesspiegel.de-Leser sagen Nein zu Tunnelplänen

Der Autofahrerclub ADAC und der Förderverein des Berliner Stadtschlosses wollen die Museumsinsel zur Fußgängerzone machen. Diese Pläne wurden von den Tagesspiegel.de-Lesern zahlreich kommentiert. Mehrheitlich sprechen sie sich gegen einen Tunnel unter der Spree aus.

Matthias Lehmphul
Lustgarten
Vollendeter Lustgarten: So könnte nach den Plänen des ADAC und des Fördervereins des Berliner Stadtschlosses die Museumsinsel nach...Foto: Tsp

BerlinDer Tagesspiegel berichtete bereits Ende Dezember über die Pläne des ADAC und des Fördervereins des Berliner Stadtschlosses.  Es gibt bislang zwei Ideen, die eine Erweiterung des Lustgartens ermöglichen sollen: ein Tunnelbau und eine südliche Umleitung der Straßenführung. Diese Überlegungen wurden zahlreich von Tagesspiegel.de-Lesern in beiden Artikeln diskutiert. Eines hat sich bislang gezeigt: die Debatte hat erst begonnen. Es bedarf noch weiterer Diskussionsrunden in der Stadt zu den Verkehrsplänen nach dem Wiederaufbau der Außenfassade des Berliner Stadtschlosses.

Ziel ist ein Park ohne Autos

Nach den Wünschen des ADAC-Chefs Walter Müller soll ein vierspuriger Tunnel unter Spree und Museumsinsel her. Die Ein- und Ausfahrten sollten im Osten in Höhe Spandauer Straße und im Westen kurz vor dem Brandenburger Tor neben der Straße des 17. Juni sein. Würde der Tunnel parallel zur dort schon begonnenen Verlängerung der U-Bahnlinie 5 gebaut, schätzt der ADAC die Kosten auf 300 Millionen Euro.

Der Förderverein des Stadtschlosses begrüßt diese Idee. Ihr Geschäftsführer Wilhelm von Boddien sieht in der sechsspurigen Fahrbahn einen "Störfaktor". Der Lustgarten könnte nach den nicht realisierten Plänen von Architekt Karl-Friedrich Schinkel zu einem Park ausgebaut werden. Die Besucher würden in einem Park zwischen Museen und Stadtschloss "flanieren" können, ohne von dem Ost-West-Verkehr zwischen Alex und Brandenburger Tor gestört zu werden. Bis die Tunnelpläne umgesetzt werden, soll nach den Wünschen von ADAC und Förderverein der Verkehr über die Rathausbrücke südlich ums Schloss herumgeführt werden.

"Die Idee der Schlossumfahrung ist es wert, zu diskutieren"

Die große Mehrheit der Leser lehnt in ihren Kommentaren die Pläne von ADAC und Förderverein ab. Viele hinterfragten den finanziellen Aufwand eines Tunnelbaus. Schließlich bräuchten beispielsweise die Berliner Schulen dringend mehr geld vom Finanzsenator. Aber auch die stadtplanerische Qualität der Pläne wurde bemängelt. Tunnel werden durch ihre Ein- und Ausfahrten selbst zu einer Behinderung im Stadtleben. Tagesspiegel-Leser "abc" meint zu den Plänen: "Abgesehen davon, dass der Bau von Tunneln zur Verflüssigung des Verkehrs in etwa dem verkehrswissenschaftlichen Stand von 1965 entspricht, finde ich 300 Millionen Euro nach Berliner Erfahrungen auch ziemlich niedrig angesetzt."

Nicht alle Leser finden einen Tunnel abwegig. Das historische Zentrum würde so weiter aufgewertet. Darüber hinaus halten sie eine schnelle Verbindung von West nach Ost für sinnvoll und denken an den Tiergarten-Tunnel als gelungenes Beispiel. "In der Allee Unter den Linden ist ohnehin viel zu viel Verkehr. Man stelle sich vor, es würden dort nur noch Sightseeing-Busse, Pferdekutschen und Fußgänger vorbeikommen!? Das würde den Linden sehr gut zu Gesicht stehen. Und sie würden mit dem Lustgarten einen gelungen Abschluss finden," sagt "zorcel".

Neben den Pro- und Contra- Argumenten finden einige Tagesspiegel eine Neugestaltung des Verkehrs um das neue Berliner Stadtschloss für durchaus überlegenswert. Die Diskussion um eine Neugestaltung der Museumsinsel müsse fortgesetzt werden. Sie halten einen Tunnel allerdings für unnötig. Der Tagesspiegelleser "hansstefanpeters" kommentiert "Ich finde es schade, dass die Idee der Schlossumfahrung mit der Tunnel-Forderung gekoppelt wurde. Diese Idee wäre es wert, separat betrachtet zu werden. Das Schloss durch einen durchgezogenen Lustgarten mit der Museumsinsel zu verbinden - das hat was. Die Idee stammt ja auch nicht vom ADAC, sondern vom alten Schinkel."


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