Matinee : Kamerafahrten durch das Berliner Stadtschloss

Das DHM und das Bundesarchiv haben Filmaufnahmen des gesprengten Schlüter-Baus zu einem Matineeprogramm verbunden.

Andreas Conrad

Berlin„Von majestätischer Wirkung“ – das war das Schlüsselwort, damit hatte Andreas Schlüter den Job als Berliner Schlossbaumeister. Gewiss, sein Kurfürst, den er gerade noch versehentlich aus seinem Atelier hatte jagen wollen, war beim ersten Blick auf die Baupläne noch skeptisch gewesen, gab zu bedenken, dass er das Schloss doch nur vergrößert, nicht vollkommen umgebaut haben wollte. Aber Schlüters Argument, dass einem bloßen Anbau jegliche künstlerische Geschlossenheit und vor allem das Majestätische fehle, überzeugte Friedrich III. schnell.

Der 1942 von Regisseur Herbert Maisch gedrehte Film „Andreas Schlüter“, mit Heinrich George in der Titelrolle, wird die Matinee „Das Berliner Schloss im Film“ eröffnen, zu der das Bundesarchiv und das Deutsche Historische Museum am Sonntag ins Zeughauskino einladen. Mit Ausschnitten aus 14 Filmen – Spiel-, Dokumentar-, Propagandafilme und Wochenschau-Beiträge – wollen die beiden Institutionen ihren Beitrag zur Diskussion um den Wiederaufbau des 1950 gesprengten Stadtschlosses leisten, wie DHM-Generaldirektor Hans Ottomeyer und Karl Griep, Leiter der Abteilung Film im Bundesarchiv, gestern ankündigten. Vor allem seien historische Filme hervorragend geeignet, die Fantasie anzuregen. Ein Kameraschwenk etwa durch das große Treppenhaus des Schlosses gebe einen ganz anderen und beeindruckenderen Eindruck von der Architektur, als es ein Standfotograf mit seiner statischen Technik oder Baupläne vermöchten.

Schon der Ausschnitt aus dem Spielfilm „Andreas Schlüter“ illustriert das in eindrucksvoller Weise. Teilweise wurde er direkt im Schloss gedreht und sei, so sagte Griep, „das Umfassendste, was wir an Filminnenaufnahmen vom Schloss haben“. Eine der ausgewählten Sequenzen zeigt den Einzug des frisch gekrönten Königs Friedrich I. in seine Residenz mit dem fertiggestellten Schloss, vorbei am ebenfalls von Schlüter geschaffenen Reiterstandbild des Großen Kurfürsten. Die Kamera schwelgt in Bildern barocker Pracht, umschmeichelt geradezu die Säulen, Figuren, Gemälde, gerät mehr und mehr zur Huldigung des großen Baumeisters Schlüter, der bei dieser Szene nicht mehr dabei sein darf. Weil er beim Bau des Münzturms scheiterte, war er mittlerweile in Ungnade gefallen.

Das knapp anderthalbstündige Matinee-Programm ist in vier Zeitblöcke gegliedert: die mit der Novemberrevolution endende Kurfürsten-, Königs- und Kaiserzeit, die Periode zwischen den Kriegen, die NS-Zeit und die nach 1945 bis unmittelbar nach dem Abriss. Zu sehen sind etwa Luftaufnahmen in einem 1918 gedrehten Werbefilm für Kriegsanleihen, erst über zerstörte französische Städte, dann über der unversehrten Berliner Innenstadt, was den Rentier Kulicke, Hauptfigur des Propagandastreifens, sofort zum Zeichnen der Anleihen bewegt.

Die zertrümmerten französischen Städte nehmen die Berliner Ruinenlandschaft von 1945 vorweg. Auch das Stadtschloss hatte massive Schäden davongetragen, in den Aufnahmen der Defa-Dokumentarfilmer für die Wochenschau „Der Augenzeuge“ kann man den Zustand vor den Sprengungen noch sehen. Wohl überwiegend in Eigeninitiative dokumentierten die Defa-Kameraleute die Stadien des Abrisses, filmten die Abrisskolonnen beim Vorbereiten der Sprenglöcher, die Bauhistoriker beim Vermessen der bald zerstörten Säulen – und auch den Moment, in dem sich ein weiteres Fassadenteil in Schuttberge und Staubwolken auflöste – Bilder, die in der DDR nicht zu sehen waren.

Matinee „Das Berliner Schloss im Film“, Sonntag, 11 Uhr, Zeughauskino im Deutschen Historischen Museum, Unter den Linden 2. Kartentelefon 18 7770 988.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben