Mitte : Boxenstopp am Schloßplatz

Vor der Baustelle des Humboldt-Forums entsteht ein großes Infozentrum mit Café. Das fünf Millionen Euro teure Projekt wird privat finanziert.

Ralf Schönball
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Bau im Blick. Die geplante Infobox an der Karl-Liebknecht-Straße. Sie soll im Oktober nächsten Jahres eröffnen. -Animation: Promo

So hoch wie ein Berliner Mietshaus, über 2200 Quadratmeter groß und fünf Millionen Euro teuer – die „Humboldt-Box“ an der Baustelle des Berliner Stadtschlosses wird ab Oktober nächsten Jahres nicht zu übersehen sein. Dafür wird auch die ungewöhnliche Gestalt dieses Informationspavillons sorgen: Auf den Zeichnungen von Krüger Schuberth Vandreike wirkt das asymmetrische Haus aus gelochten Stahlplatten wie ein gebautes Pamphlet dekonstruktivistischer Architektur. So will man sich von der legendären roten Info-Box am Potsdamer Platz abheben, die so etwas wie die Mutter aller Infopavillons der modernen Baugeschichte ist.

„Mit dem Abschluss dieses Konzessionsvertrages ist ein Meilenstein auf dem Weg zum Humboldt-Forum gesetzt“, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher am Dienstag bei der Vorstellung der Pläne. Der Senat hatte die Konzession europaweit ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt die Firma „Megaposter GmbH“. Die Box am Schlossplatz haben Architekten gestaltet. Das Entscheidende an der Ausschreibung war jedoch der „Betreiber-Vertrag“. Dieser sieht vor, dass Megaposter die Planung, den Bau sowie den späteren Abriss auf eigenes Risiko finanziert. Dennoch muss der Betreiber die Hälfte der Ausstellungsflächen den späteren Hausherren des Humboldt-Forums überlassen: der Humboldt-Universität, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sowie der Landes- und Zentralbibliothek.

Beobachter unken deshalb, dass die vergleichsweise kleine Firma mit der Aufgabe überfordert sein könnte. Außerdem geriet das Unternehmen wegen der Plakatierung des Charlottenburger Tores in die Kritik, weil sie das Baudenkmal angeblich vertragswidrig mit einem Wahlplakat der CDU verhüllt hat. Die Stiftung Denkmalschutz hatte die Firma Megaposter nach eigenen Angaben abmahnen müssen, damit diese das Großplakat überarbeitet und das Parteilogo entfernt.

„Mit der Humboldt-Box bringen wir den Besuchern die Geschichte und die Zukunft des Schlossareals bis zur Eröffnung des Humboldt-Forums näher“, sagte Engelbert Lütke Daldrup, Staatssekretär im Bundesbauministerium. Die Box sei ein „sichtbares Zeichen, dass es hier losgeht“. Die Planer arbeiteten mit voller Kraft, und zwischen den freigelegten historischen Fundamenten des alten Stadtschlosses werde schon die Tragfähigkeit des Bodens geprüft.

Zur bevorstehenden Entscheidung der Vergabekammer beim Bundeskartellamt, die über die Rechtmäßigkeit des Wettbewerbszuschlags an den italienischen Architekten Franco Stella entscheiden soll, äußerte sich Lütke Daldrup nicht. Falls das Kartellamt die Vergabe für unrechtmäßig erklären und das Oberlandesgericht Düsseldorf diesen Beschluss bestätigen sollte, könnte der Zeitplan in Gefahr geraten.

Dies gilt nicht für die Humboldt-Box: Diese soll im Oktober 2010 feierlich eröffnet werden und fünf Jahre an der Karl-Liebknecht-Straße stehen bleiben. Die Ausstellungen der späteren Schlossnutzer werden im zweiten und dritten Stock sein. Im vierten Geschoss wird es einen Veranstaltungssaal geben und unter dem Dach ein Café mit Sonnenterrasse. Im ersten Stock entsteht ein Infobereich mit Shop. Dort ist auch Platz für den Förderverein des Schlosses. Im Sockel der auf Stahlstelzen errichteten Box wird es neben dem Empfangsbereich auch eine Schauwerkstatt für Steinmetze geben.

Zur Finanzierung des Provisoriums sollen die Besucher beitragen mit ihren Eintrittsgeldern in Höhe von vier und ermäßigt zwei Euro. Außerdem darf der Betreiber auf den Bauzäunen werben sowie die Einnahmen aus Veranstaltungen und Ausschank behalten.

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