Museumsinsel : ADAC will Fußgängerzone vor dem Schloss

Der Automobilclub ADAC schlägt vor, die Karl-Liebknecht-Straße zu untertunneln. Politik und Senat lehnen den Vorschlag ab: Das sei zu teuer, zu aufwendig.

Matthias Oloew
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Was passiert mit der Karl-Liebknecht- Straße in Mitte? Die Trasse schneidet die Museumsinsel vom Schlossplatz ab, wo in zwei Jahren mit dem Wiederaufbau des Stadtschlosses begonnen werden soll. Um eine bessere Verbindung zwischen den Museen und dem Humboldt-Forum herzustellen, soll die Straße schmaler werden. Der ADAC schlägt nun sogar eine Fußgängerzone vor. Dafür will der Automobilclub aber einen Tunnel für die Karl-Liebknecht-Straße, mit zwei Röhren und vier Fahrspuren.

Der ADAC schlägt vor, dass die Autos vor der Staatsoper beziehungsweise dem Deutschen Historischen Museum in den Tunnel hinein- und vor dem Dom-Aquarée in Höhe der Spandauer Straße wieder herausfahren.Viel Beifall bekommt der Club dafür aber nicht. „Die Idee ist unrealistisch“, sagt Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). „Es ist städtebaulich völlig unklar, wo die Ein- und Ausfahrten des Tunnels liegen könnten.“

Die geschätzten Kosten liegen nach ADAC-Angaben bei rund 300 Millionen Euro – eine Summe, die der Automobilclub als Teil eines Berliner Konjunkturpakets versteht. Außerdem könnte durch einen Tunnel in Ost-West-Richtung der Autoverkehr besser an den Alexanderplatz angebunden werden.

Die Stadtentwicklungsverwaltung will hingegen keinen Tunnel und sieht auch keine Fußgängerzone vor. Derzeit sei noch unklar, wie das Umfeld des künftigen Humboldt-Forums gestaltet werde. Ein Tunnel gelte aber als völlig unrealistisch, weil er eine umfassende Neuplanung für die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 bedeuten würde. Diese Trasse soll von Unter den Linden kommend im Bogen südlich um das Humboldt-Forum herum und vor dem Roten Rathaus zum Alex anderplatz führen. Beide Tunnel stünden sich also vor dem Deutschen Historischen Museum gegenseitig im Weg.

Während die CDU sich eine Tunnellösung durchaus vorstellen kann, lehnen die Grünen sie ab. Auch die FDP ist für die Unterführung nicht zu begeistern, schlägt aber vor, den Durchgangsverkehr von der Karl-Liebknecht-Straße herunterzuführen, über eine neue Straße, die ungefähr dem Trassenverlauf der künftigen U5 folgt: von Unter den Linden im Bogen über Schlossfreiheit, Schloßplatz und die Rathausbrücke zum Alex. Auch diese Variante lehnt die Stadtentwicklungsverwaltung ab.

Dass Tunnel nicht nur verbinden, sondern auch etwas Trennendes haben, galt bislang für den Breitscheidplatz in Charlottenburg. Deshalb wurde die Unterführung zugeschüttet, und der Verkehr auf der Budapester Straße fließt wieder oberirdisch.

Der ADAC ist indes nicht der Erste, der einen Ost-West-Tunnel für den Autoverkehr vorschlägt. In der Diskussion um die Umfahrung des Brandenburger Tors schlug die ehemalige Bundesbauministerin Irmgard Adam-Schwätzer (FDP) Anfang der 90er Jahre einen Tunnel unter dem Pariser Platz vor. Die Pläne wurden schnell begraben. Genauso wie der einzige Tunnel Unter den Linden, den es wirklich gab: durch den Lindentunnel fuhr einst eine Straßenbahn – allerdings in Nord-Süd-Richtung. Er unterquerte den Boulevard in Höhe der Oper. Vor einigen Jahren wurde er zugeschüttet.

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