Palast und Schloss : Viele Lampen, viele Treppen

Palast der Republik? Stadtschloss? David Ensikat vermisst den einen nicht und findet das andere einfach nur merkwürdig.

David Ensikat

In den Palast der Republik bin ich mit der Schulklasse gegangen, sie haben uns alles gezeigt. Ich dachte: Sieh mal an, in einem Haus mit so vielen Treppen und Lampen bist du noch nie gewesen. Beeindruckt hat mich der große Saal, weil man in dem die Flächen, auf denen die Sitze waren, hin und herfahren konnte. Als ich erfuhr, dass das nur gemacht wurde, während der Saal leer war, dachte ich: Wie blöd, dann hat ja niemand was davon.

Außerdem gab es im Palast noch eine Diskothek mit drehbarer Tanzfläche, in die durften wir aber noch nicht. Ich freute mich aufs diskofähige Alter. Als ich mich endlich darin befand, wäre ich im Traum nicht darauf gekommen, die Palast-Disko zu besuchen, denn da spielten sie nur Ost-Musik.

Alles in allem also war mir der Palast der Republik egal. Bei den späteren Debatten darum habe ich mich stets gewundert, wie engagiert viele Leute sich daran beteiligten. Was haben die denn dort erlebt? Und was versprechen sich die Leute jetzt vom Schloss? Auch da wird es wieder viele Treppen geben, die Lampen müsste man dann mal durchzählen und gucken, ob es mehr sind als früher im Palast. Von einer Diskothek habe ich noch nichts gehört, auch nichts von fahrbaren Sitzflächen.

Ich horche manchmal in mich rein, ob sich da etwas regt, irgend eine Meinung, eine Erwartung. Aber außer einem diffusen Wie-merkwürdig-dass-es-eine- schweineteure-Schlosskastenkopie-wird finde ich da nichts.

Leute, die in New York waren, schwärmen stets vom Central Park. Einen Park, vom Fernsehturm bis zum Kronprinzenpalais, könnte ich mir gut vorstellen, wenn’s sein muss, auch mit beweglichen Bänken, die sich automatisch zur Sonne hindrehen. Humboldtmäßig könnte man ihn mit Naturlehrpfad und ein paar Totempfählen ausstatten und käme immer noch bedeutend günstiger weg als mit dem Schloss. Aber dass ich nicht gefragt werde, kann ich irgendwie auch verstehen.

Schlossmodellausstellung im Kronprinzenpalais bis 21. Dezember, 12– 20 Uhr, Eintritt frei. Von David Ensikat ist im Piper-Verlag das Buch "Kleines Land, große Mauer. Die DDR für alle, die (nicht) dabei waren" erschienen.

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