Planung fürs Humboldt-Forum : Schlossbau mit vereinten Kräften - aber später

Am Humboldt-Forum ist die Detailplanung angelaufen. Architekt Franco Stella bekommt Verstärkung. Förderverein-Geschäftsführer Wilhelm von Boddien glaubt allerdings, dass der Bau erst 2014 fertig wird.

Christian van Lessen

Das Humboldt-Forum ist schon fertig. Im Info-Center des Schloss-Fördervereins am Hausvogteiplatz in Mitte steht jetzt ein weißes Modell des Schlosses. Mit klar strukturierten Fassaden – so, wie es sich der Sieger des Architektenwettbewerbs, Franco Stella, vorgestellt hat. Das Innere aber lässt der Phantasie noch viel Platz – weil vieles noch zu klären ist. An der Innengestaltung wird kräftig gearbeitet, für die Detailarbeit am Entwurf hat sich Franco Stella die Büros Hilmer, Sattler, Albrecht und Gerkan, Marg und Partner ins Planungsboot genommen.

Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins, freut sich, dass „zwei höchst professionelle Büros in den Prozess eingebunden sind“. Das bedeute nicht, dass sie „durch die Hintertür“ ihre Schloss-Vorstellungen durchsetzen könnten. „Stella bleibt der Boss“. Aber sein Büro sein zu klein, personell eher in der Lage, ein Einfamilienhaus, nicht aber ein Schloss zu planen. Hilmer/Sattler/Albrecht hätten Erfahrungen im Museumsbau, seien vertraut mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Stella habe beispielsweise im Inneren zu viele Zwischenwände geplant, die für ein Museum nicht so geeignet sind. Das Projekt werde jetzt mit den Nutzern abgestimmt, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Zentral- und Landesbibliothek und der Humboldt-Universität.

Das Schloss - die Entscheidung
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Von Boddien rechnet damit, dass die Ausführungsplanung im Frühherbst abgeschlossen ist. Bis dahin sei auch die Frage historischer Treppenhäuser geklärt. Auch müsste beispielsweise vermieden werden, dass es hinter historisch hergerichteten Portalen nur eine Kantine gebe. Weiterhin muss letzte Klarheit über den Bau der rund zwölf bis 13 Millionen Euro teuren Kuppel herrschen. Sie sei städtebaulich unverzichtbar. Unklar ist auch, ob die historischen Kellerreste auf der Südseite des Geländes in den Neubau einbezogen werden. Im Frühherbst werde jedenfalls eine genaue Kalkulation möglich sein.

Zuvor sollten sich bis zum Sommer der Bund und das Land über die gemeinnützige Stiftung geeinigt haben, die als Bauherrin auftreten und auch Spenden sammeln soll. Noch ist unklar, wer später für den Betrieb des Schlosses verantwortlich ist. Die Grundsteinlegung für das 552-Millionen-Projekt ist vom Bundesbauministerium 2010 geplant, die Fertigstellung 2013. Von Boddien meint, 2014 sei realistischer. Nach der Einrichtungsphase könnte das Humboldt-Forum am 3. Oktober 2015 eröffnet werden, ein „tolles Symbol, 25 Jahre nach der Vereinigung“.

Der Förderverein will 80 Millionen Euro an Spenden für die historische Fassade sammeln, bislang hat er nach eigenen Angaben 18 Millionen Euro zusammen, davon sieben Millionen Zusagen. „Das Geld wird kommen“, versichert von Boddien. Wenn nur 150 000 Menschen je 400 Euro spendeten, dann wäre man am Ziel. Es müsse mit der künftigen Stiftung eine Spenden-Strategie gefunden werden, noch fehle der öffentliche Schulterschluss zwischen öffentlichen Institutionen. „Alle müssen aktiver werden“.
Der Ausschuss für Stadentwicklung beschäftigte sich am Montag mit Forum. Die geplanten Informatonsstelle „Humboldt-Box“ soll nach Auskunft von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher frühestens 2010 errichtet werden und auf Stelzen stehen wie einst die Info-Box am Leipziger Platz. Sie kündigte den Abgeordneten außerdem ein Verkehrskonzept für die Umgebung des Forums an.

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