Projekt „Schaufassade“ : Kein Stern mehr für die Bauakademie

Mercedes-Benz steigt als Sponsor aus dem Projekt der „Schaufassade“ aus. Der Wiederaufbau des Schinkel-Baus ist weiter unklar.

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Seit drei Jahren Attrappe. Nur eine Ecke der Bauakademie am Schlossplatz ist schon aus Stein errichtet. -Foto: Thilo Rückeis

Sie ist Vision und zugleich Wirklichkeit: Die Bauakademie am Schlossplatz, gegenwärtig eine täuschend echte Stoffattrappe. Noch immer ist unklar, ob und wann der Schinkel-Bau richtig wieder aufgebaut wird. Seit bald drei Jahren steht die Schaufassade, deren Bau durch den Sponsor Mercedes-Benz ermöglicht wurde. Die Hülle soll für den 25 Millionen Euro teuren Wiederaufbau und für Spenden bei Investoren werben. Über das Spendenaufkommen will der Verein „Pro Bauakademie“ derzeit nichts sagen. Noch fehle das Geld für den Wiederaufbau, heißt es. Aber Mercedes-Benz steige aus dem Projekt aus.

Ab August, so Sprecher Mathias Voigt, werde es eine „Staffelübergabe“ bei Sponsoren geben, dabei gehe es um große Industriefirmen, Namen wolle er nicht nennen, es stehe noch nicht hundertprozentig fest. Die Fassade bleibe vermutlich weitere drei Jahre stehen, aber die Werbefläche werde anders vermarktet. Sicher aber sei, dass weiter für den Aufbau der Bauakademie geworben werde. Vor zwei Jahren hatten die Initiatoren noch auf einen Beginn des Wiederaufbaus 2007 gehofft, 2010 sollte die Bauakademie fertig sein. Die Entscheidung sei allerdings nicht dramatisch, der Verein nehme das dem Unternehmen auch nicht übel, es hätte ohnehin sein überdurchschnittliches Engagement über den geplanten Zeitraum hinaus verlängert. „Wir sind dankbar, dass es so lange mitgemacht hat“, sagt Voigt. Eine Daimler-Chrysler-Sprecherin begründet den Ausstieg so: „Ganz einfach, der Vertrag ist abgelaufen.“ Das bedeute nicht, dass man sich von dem Projekt distanziere.

Vor zwei Jahren war im Inneren des Gerüstbaus ein historischer Saal als Veranstaltungsraum nachgebaut worden. Es gab ein Kulturprogramm, unter anderem mit Filmvorführungen. Ob dieses Programm fortgeführt wird, ist fraglich.

Das öffentliche Interesse am Wiederaufbau sei nach wie vor groß, heißt es beim Verein, der auf Senatsbeschlüsse verweist: Im Koalitionsvertrag hatten sich SPD und Linke dazu bekannt, dass die Bauakademie „in ihrer historischen Gestalt rekonstruiert“ werde. Das Projekt sei allerdings privat zu finanzieren, Berlin unterstützte eine Nutzung durch die Internationale Bauakademie. Die war 2001 gegründet worden, um das Gebäude wieder aufzubauen. Zu ihren Mitgliedern zählen bekannte Architekten wie Hans Kollhoff, auch Berliner Architektur- und Kunstsammlungen. Sie wollen einen Wiederaufbau, „der höchsten Qualitätsansprüchen genügen muss“. Das Haus solle lebendiger Ort der Architektur werden. Aber vorerst bleibt die Attrappe. Nach Auskunft des Bezirksamtes Mitte ist die Genehmigung für weitere Jahre Schaufassade „in Arbeit“.

Nach Plänen Karl Friedrich Schinkels war die alte Bauakademie von 1831 bis 1835 zwischen Kupfergraben und Friedrichswerderscher Kirche als Backsteinbau errichtet worden. Im Jahr 1962 beschlossen die Ost-Berliner Behörden, das im Krieg zerstörte Gebäude abzureißen, um auf dem Gelände des DDR-Außenministerium zu errichten. Dieses wurde 1995 abgetragen. Eine gemauerte „Musterecke“ wurde später in die rote Schaufassade mit den Werbeflächen integriert.

Die Simulationen für das Humboldt-Forum, also das Schloss, gehen davon aus, dass zum historischen Ensemble auch die Bauakademie gehört. Vielleicht wird sie auch dann noch aus Stoff sein, wenn das Schloss schon gebaut ist.C. v. L.

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