Rollrasen : Neuer Schloss-Fußballplatz

Am 10. Juli wird die Wiese am Schlossplatz freigegeben. Ballspiele: Erlaubt – Grillen: Verboten

Thomas Loy
284041_0_f9c92e02.jpg
Außer Betrieb. Die Wasserschläuche sind bei diesem Wetter eher überflüssig. Foto: dpa

Kein Gänseblümchen trübt den paradiesisch grünen Rasen auf dem Schlossplatz. Die Sprenger sind abgestellt, es gießt reichlich von oben. Ideale Anwachsbedingungen, freut sich Gero Heck vom Planungsbüro „Relais Landschaftsarchitekten“. „Und wir sparen Geld.“ Am 10. Juli soll die neue temporäre Grünfläche eröffnet werden – zeitgleich mit der neuen Ausstellung in der Temporären Kunsthalle nebenan. 1,3 Millionen Euro werden dann verbaut worden sein.

Das mit dem Sparen durch Regen ist ein kleiner Seitenhieb auf die Kritikaster, die am hochwertigen Rollrasen aus Holland vor allem seinen Preis bewundert haben. 160.000 Euro hat der Belag für 18.000 Quadratmeter Fläche gekostet. Eine Einsaat wäre wesentlich billiger gekommen, hätte aber deutlich mehr Geduld erfordert. „Der Sommer wäre verloren gewesen, bis zum Herbst wollten wir die Berliner nicht warten lassen“, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung.

Der neue Rasen habe keine Stadionqualität, sei aber fürs Fußballspielen durchaus geeignet, sagt Planer Heck. Und tatsächlich darf hier gekickt werden. „Das ist okay. Der Rasen ist robust. Die Leute sollen hier spielen, herumtollen oder ein Picknick machen“, sagt Rohland. Einen Cafébetrieb oder Imbiss wird es nicht geben. „Das ist als Erholungsfläche gedacht. Es gibt auch gar keine Anschlüsse für Wasser und Strom.“ Wer Hunger kriegt, könne schließlich ins Kunsthallen-Cafe gehen. Grillen ist untersagt.

Die Rasenfläche neigt sich zur Spree, bietet also einen perfekten Blick aufs Wasser und vorbeiziehende Schiffe. „Wie eine Theaterbühne“, schwärmt Heck. Um in den Genuss dieses Schauspiels zu kommen, muss sich der Betrachter aber zumindest aufsetzen, denn im Liegen wird er gegen einen Bretterzaun starren. An der Kaimauer wird eine rund 90 Zentimeter hohe Holzbalustrade gesetzt, damit niemand in den Fluss fällt. „Das ist eine vorgeschriebene Absturzsicherung, weil der Flanierweg direkt an der Wasserkante liegt.“ Das historische Geländer kommt erst zurück, wenn der Bau des Humboldtforums weitgehend abgeschlossen ist. Wie beim Abriss der Palastes der Republik wird die Spree zum Materialtransport genutzt, da stünde das Geländer im Weg.

Das Schlossareal dürfte sich ab dem 10. Juli auch deswegen beleben, weil die temporäre Kunsthalle künftig freien Eintritt bietet und ihre Ausstellungen verständlicher gestalten will. Damit reagiert die Leitung auf eher enttäuschende Besucherzahlen. Seit der Eröffnung im vergangenen Oktober kamen nur rund 70.000 Menschen. Die neuen Ausstellungen sollen sich thematisch auf Ereignisse in der Stadt beziehen – Bezüge zu Mauerfall oder Schlossrekonstruktion sind erwünscht.

Sollte die Regenzeit am 10. Juli noch nicht beendet sein, werde sich der Schlossrasen trotzdem in keine schlupfrige Matschbrache verwandeln, verspricht Landschaftsarchitekt Heck. „Die Fläche ist drainiert.“ Und abschüssig, wie schon erwähnt. Da fließt alles überschüssige Wasser ohne weiteren Kostenaufwand in die Spree.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben