Schlossplatz : Für die Uni nur ein Eckchen im Schloss

Die Bibliothek soll im Neubau des Berliner Schlosses mehr Platz bekommen. Der Senat entscheidet heute darüber.

Matthias Oloew

An der geplanten Raumaufteilung im neuen Humboldt-Forum wird es keine Veränderungen mehr geben. Das kündigte der Regierende Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) am Montag im Kulturausschuss an. Der Senat werde in seiner heutigen Sitzung beschließen, dass die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) 4000 Quadratmeter erhalte und die Humboldt-Universität für ihre Sammlung 1000 Quadratmeter. „Es ist ein gutes Ergebnis für Berlin“, sagte Wowereit, „es löst aber auch nicht alle Probleme, das ist klar.“

Damit hat sich die Aufteilung zwischen Universität und Bibliothek zwar noch einmal verändert (zwischenzeitlich sollte die Universität für ihre Sammlung bis zu 4000 Quadratmeter nutzen können), die Probleme der ZLB werden aber dadurch nicht behoben.

Die Bibliothek, verteilt auf drei Standorte (Breite Straße, Amerika-Gedenkbibliothek und Senatsbibliothek) hat weder einen zentralen Lesesaal noch ein gemeinsames Magazin. Mit dem zusätzlichen Standort im Humboldt-Forum soll der Standort Breite Straße gestärkt werden. Während im Schloss ein Lesesaal und die Freihandbereiche geplant sind, sollen an der Breiten Straße die Verwaltung und die Buchausgabe arbeiten.

Die Linke geht auf Distanz zu Wowereit

Dieses Konzept sieht ausgerechnet Wowereits Koalitionspartner gefährdet. Thomas Flierl, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Linken-Fraktion und Wowereits Vorgänger als Kultursenator: „Unter 5000 Quadratmetern hätte ich gar nicht erst angefangen.“ Die Linke fordert, wie berichtet, eine neue Diskussion um die Nutzung des Humboldt-Forums und einen Verzicht auf die barocke Schlossfassade.

Wowereit lehnte das ab: „Es ist ein Irrglaube, mit dem Humboldt-Forum die Strukturprobleme der ZLB lösen zu können“, sagte er. Und weiter: „Hätte Berlin 12.000 Quadratmeter beansprucht, müssten wir 100 Millionen Euro für den Bau zahlen. Das ist angesichts der Tatsache, dass Berlin mit dem Bund über die Übernahme weitere Kultureinrichtungen verhandelt, nicht darstellbar.“

Die CDU sieht in dem Diskussionsbedarf der Linken eine Verschleppungstaktik, um den Baubeginn hinauszuzögern. Die Grünen würden zwar auch gerne eingehender über die Raumaufteilung diskutieren, scheiterten mit ihrem Wunsch und einem entsprechenden Antrag allerdings genau so wie die FDP, die Erlöse aus dem Verkauf der Gewerbesiedlungsgesellschaft (GSG) in das Projekt pumpen möchte.

Die Eile, die Nutzung des Humboldt-Forum festzuschreiben, erklärte Wowereit mit dem Wunsch, 2010 mit dem Bau zu beginnen: „Wir müssen vor der Sommerpause entscheiden, denn wir brauchen die Festlegung für den geplanten Architektenwettbewerb.“ Durch seine Zusage gegenüber Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sieht Wowereit den Koalitionsvertrag mit den Linken nicht verletzt. Dort steht drin, dass sich Berlin über die Bereitstellung der Grundstücke nicht zusätzlich am Bau beteiligt. Die 32 Millionen Euro, die er nun zugesagt hat, sind erst 2012 fällig – und damit in der nächsten Legislaturperiode. Matthias Oloew

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