Schlossplatz : Humboldt-Forum mit Kuppel, aber ohne Volkskammersaal

Der italienische Architekt Franco Stella hat den Wettbewerb um das Humboldt-Forum gewonnen. Die Jury entschied sich am Freitag für seinen historisierenden Entwurf. Der DDR-Volkskammersaal wird nicht eingebaut. Mehr zum Thema lesen Sie auch in der Sonnabendausgabe des Tagesspiegels.

Matthias Oloew

BerlinEinen zweiten Preis verlieh die Jury nicht, dafür gab es vier dritte, die an die renommierten Architekturbüros Kleihues & Kleihues, Hans Kollhoff und Christoph Mäckler sowie an ein italienisches Team gingen. Das Votum für den Entwurf Stellas, Schüler des Star-Architekten Aldo Rossi, sei  einstimmig gefallen, sagte der Juryvorsitzende unter Vorsitz des Architekten Vittorio Magnago Lampurgnani aus Italien. Das Gremium habe sich zwar gestritten, aber die Entscheidung sei kein Kompromiss.

Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte, der Entwurf sei "historisch und kulturell hervorragend geeignet und schafft neue attraktive Freiräume entlang der Spree". Das neue Gebäude erhält zwar eine Kuppel, aber der Saal der DDR-Volkskammer aus dem Palast der Republik wird nicht eingebaut. Das war ursprünglich vorgesehen.

Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz freute sich über den Sieg Stellas: "Er gehört zu den Architekten, die sensibel mit historischer Bausubstanz umgehen." Auch der Vorsitzende des Schloss-Fördervereins Wilhelm von Boddien zeigte sich "höchst zufrieden" mit der Entscheidung. Kritik kam vom Bundestagsabgeordneten Wolfgang Wieland (Grüne), einem der Sachpreisrichter: " Der Entwurf tut niemandem weh", sagte er unter Verweis auf die historisierende Gestaltung, "ist aber kein Geniestreich". Er sehe in der Entscheidung den kleinsten gemeinsamen Nenner.

Öffentlicher Durchgang zum Lustgarten

Gemäß den Vorgaben des Wettbewerbs erhält der Bau an drei Seiten Kopien der barocken Fassaden des 1950 abgerissenen Berliner Stadtschlosses. Die vierte, die in Richtung Alexanderplatz zeigt, will Stealla als "Belvedere" mit Loggien gestalten - zurückhaltend, damit die barocken Fassaden die Hauptrolle spielen. Das Humboldt-Forum erhält nach Stellas Plan außerdem einen einen Durchgang von der Breiten Straße zum Lustgarten.

Das Humboldt-Forum soll 552 Millionen Euro kosten. Allerdings haben alle Teilnehmer diesen Rahmen nicht eingehalten. Wie Tagesspiegel.de aus der Jury erfuhr, lagen die Kalkulationen bis zu 40 Prozent über dem Kostenrahmen. Auch Stellas Pläne könnten teurer sein. Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) will die Bauarbeiten trotzdem schon 2010 beginnen lassen. Drei Jahre später soll der Neubau eröffnet werden. Mit dem Humboldt-Forum erhält die Stadt in ihrem Zentrum weitgehend den historischen Grundriss zurück. Schlossplatz und Schlossfreiheit werden als Stadtplätze wieder entstehen. In den Neubau sollen die außereuropäischen Sammlungen der Staatlichen Museen sowie Teile der Berliner Landesbibliothek und die wissenschaftliche Sammlung der Humboldt-Universität einziehen. Alle drei Nutzer sollen die so genannte Agora nutzen, den gemeinsamen Eingangs- und Veranstaltungsbereich des Gebäudekomplexes. Neben der Gestaltung der Agora waren die teilnehmenden Architekten bei ihren Entwürfen für die vierte Fassade des Neubaus – die sich zum Fernsehturm ausrichtet - und das Aussehen von einem der beiden Innenhöfe des Forums frei.

15 Jahre Streit um den Schloßplatz

Mit der Juryentscheidung vom Freitag geht vorerst eine seit mehr als 15 Jahren andauernde Debatte um die Gestaltung der Berliner Innenstadt zu Ende. Zunächst sollte statt des Humboldt-Forums Neubauten für das Innen- und Außenministerium der Bundesregierung geschaffen werden. Diese Pläne wurden aber 1994 gekippt. Danach entflammte eine jahrelange, energisch geführte Diskussion um den Wiederaufbau des Stadtschlosses und den Abriss des Palasts der Republik. Der Bundestag als Bauherr entschied sich 2006 in zwei Abstimmungen für die Replik des Schlosses anstelle des Palastes.

Doch knapp zwei Wochen vor der Entscheidung am Freitag flammte die Diskussion noch einmal auf, als Jurymitglied Gesine Weinmiller im „Spiegel“ erklärte, die Vorgabe, drei Barockfassaden zu errichten, sei gelinde gesagt unglücklich für den Wettbewerb und hemme die Kreativität der teilnehmenden Architekten. In der ersten Runde hatten sich 158 Büros beteiligt, zuletzt waren noch 30 Architekten im Boot, über deren Entwürfe die Jury am Freitag zu entscheiden hatte.

Die Wettbewerbsarbeiten sind vom 3. bis 21. Dezember täglich von 12 bis 20 Uhr im Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3, zu besichtigen.

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