Schlossplatz : Im Humboldt-Forum könnte es eng werden

Auch die West-Berliner Hochschulen fordern jetzt eigenen Platz im Stadtschloss – neben den Sammlungen der Humboldt-Universität.

Uwe Schlicht
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Bauen am Schloss. Bildhauer Stafen Werner modelliert in einer Pankower Werkstatt an einem Dekor-Stück für das Portal des künftigen...Foto: dpa

Wenn das Stadtschloss in Mitte wieder aufgebaut ist, so soll dort nach den bisherigen Plänen die Humboldt-Universität (HU) auf 1000 Quadratmetern ein Schaufenster der Wissenschaften bieten. Damit sind die Präsidenten der Freien Universität, der Technischen Universität und der Technischen Fachhochschule nicht einverstanden und fordern auch für ihre Hochschulen einen angemessenen Platz im künftigen Humboldt-Forum. Sie haben einen Brief an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit geschrieben, zu dessen Einzelheiten sich aber weder die Freie Universität noch die Technische Universität äußern wollen. Auf Nachfragen, mit welchen Ausstellungsbeiträgen die Technische Universität und die Freie Universität im Humboldt-Forum vertreten sein werden, erhielt der Tagesspiegel keine offizielle Antwort.

Von historischem Interesse ist jedoch mit Sicherheit die sogenannte Plansammlung der Technischen Universität mit Architekturzeichnungen von Andreas Schlüter, Karl Friedrich Schinkel und Friedrich August Stüler. Die Freie Universität könnte aus ihrer Gründungsgeschichte und der Studentenrevolte auch interessante Dokumente beisteuern.

Die Humboldt-Universität hatte im Jahr 2001 im Martin-Gropius-Bau eine bedeutende Ausstellung ihrer Sammlungen präsentiert, darunter waren Gipsabdrücke des Winckelmann-Instituts, Schaustücke aus dem Pathologischen Museum von Rudolf Virchow und Arbeitsgeräte des Arztes und Physikers Hermann von Helmholtz. Aufgrund des Erfolgs dieser Ausstellung hatte der damalige HU-Präsident Jürgen Mlynek die Nutzung des Stadtschlosses auch für eine repräsentative Darstellung der Sammlungen der Humboldt-Universität angeregt. Er hatte damals einen Raumbedarf von 10 000 Quadratmetern genannt.

Wenn jetzt nur noch 1000 Quadratmeter für die Humboldt-Universität übrig bleiben, so könnte eine Aufteilung dieser Fläche auf alle Berliner Universitäten die Frage aufwerfen, was dann überhaupt noch in einem sinnvollen Zusammenhang präsentiert werden kann. Die Humboldt-Universität geht nach wie vor davon aus, dass sie allein die zugesagten 1000 Quadratmeter für historische und aktuelle Wissenschaftsausstellungen nutzen kann.

Der jetzt bekundete Anspruch der drei Hochschulen, sich neben der Humboldt-Universität angemessen am Schlossplatz zu präsentieren, könnte auch darin begründet liegen, dass die Universitäten aus dem alten West-Berlin angesichts des großen Jubiläumsjahres 2010 nicht im Schatten stehen wollen. Denn dann gedenkt die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften der Gründung der Leibniz-Akademie im Jahr 1700, die Charité feiert ihr 300-jähriges Jubiläum und die Humboldt-Universität die 200. Wiederkehr ihres Gründungstages. Uwe Schlicht

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