Schlossplatz : Kunstvoller Platzhalter für das Stadtschloss

Außen eine riesige Wolke mit Kanten und Ecken, innen ein Ort für internationale und zeitgenössische Kunst: Das ist die "Temporäre Kunsthalle" auf dem Berliner Schlossplatz. Zwei Jahre soll sie dort stehen.

Marion Meyer-Radtke
Temporäre Kunsthalle
Gebäude auf Zeit: Die Kunsthalle mit der blauen Pixelwolke muss in zwei Jahren dem Neubau des Berliner Stadtschlosses weichen.-Foto: dpa

BerlinWer den Berliner Schlossplatz vor zwei Jahren zum letzten Mal gesehen hat und jetzt zurückkehrt, wird einige Mühe haben, das Areal in der Mitte der Hauptstadt wiederzuerkennen. Nichts ist mehr so, wie es die alten Stadtpläne noch abbilden. Südlich der Prachtstraße Unter den Linden wird gebuddelt und gebaut, was die Maschinen hergeben. Alle paar Monate, manchmal sogar im Wochenrhythmus, wird ein neues Stück architektonischen Erfindungsreichtums eingeweiht oder vorgestellt. Die neueste Attraktion: Am Mittwoch wird die Temporäre Kunsthalle eröffnet. In einem provisorischen Würfelbau aus Holz und Faser-Zementplatten werden in den kommenden zwei Jahren junge, international bekannte Künstler ihre Werke ausstellen.

Dort, wo ab Ende 2010 das Humboldt-Forum mit der Fassade des einstigen Berliner Stadtschlosses entstehen soll, schafft Berlin nun einen Ort für zeitgenössische Kunst. Denn paradoxerweise zieht die deutsche Hauptstadt mit ihren günstigen Immobilienpreisen, ständigen Umbrüchen und ihrer quirligen Szene zwar zahlreiche Kreative aus aller Welt an - doch einen Ausstellungsraum gab es in der Stadt bislang lediglich als Idee. Für eine Übergangsphase werden nun in der Halle auf dem Schlossplatz im nur 20 mal 30 Meter großen Innenraum gleich mehrfach im Jahr die Ausstellungen wechseln. Auch die Außenhaut soll im Laufe der Zeit mehrmals umgestaltet werden.

Passend für das Flüchtige

Zurzeit strahlt sie in einem kräftigen Himmelblau, auf das ein abstrakt-eckiges Wolkenbild gemalt ist. Gestaltet wurde sie von dem Österreicher Gerwald Rockenstaub. Bei den Ausstellungen macht die in Berlin lebende Südafrikanerin Candice Breitz den Anfang. Bis zum 27. November sind ihre Videoinstallationen "Working Class Hero", "King" und "Queen" zu sehen - drei Porträts der Popsänger John Lennon, Michael Jackson und Madonna, reflektiert durch ihre Anhänger: Sie hatte Fans eingeladen, jeweils ein Album ihres Stars nachzusingen. Im Anschluss zeigt Breitz bis zum 28. Dezember in einer Weltpremiere die Installation "Him", für die Breitz auf sieben Bildschirmen parallel Filmausschnitte mit dem US-Schauspieler Jack Nicholson nebeneinanderstellt.

Der leicht auf- und abbaubare Quader des provisorischen Gebäudes und die recht rasche Abfolge seiner Kunstausstellungen im Innern sind passend für das Flüchtige, das dem gesamten Areal des Schlossplatzes derzeit anhaftet: Denn im historischen Herzen Berlins zwischen Rotem Rathaus und der Staatsoper werden auch in den nächsten Jahren die Projekte kommen und gehen. Nach zwei Jahren wird die Halle dem Humboldt-Forum weichen müssen, in das später unter anderem das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst einziehen sollen.

Schlossbau beginnt 2010

Östlich des himmelblauen Kubus finden sich derzeit auch die Überreste des Palasts der Republik. Vom einstigen Sitz der DDR-Volkskammer ragen nur noch die Treppenhäuser aus Beton in den Himmel, dazwischen lagert rostiger Schutt. Bis zum Frühjahr werden die Abbauarbeiten wohl noch dauern. Gleich im Anschluss soll dann an eben dieser Stelle, direkt neben der Spree, eine Art offener Park entstehen: Die Palastwanne wird mit Sand aufgefüllt, eine riesige Rasenfläche wird angelegt, über die sich lange Stege und Treppen aus Holz ziehen werden - zum Sonnen und Sitzen, Flanieren und Verweilen.

Der erste Bauabschnitt hat vor kurzem begonnen, schon im Sommer 2009 sollen Bewohner und Touristen den Schlossplatz so für sich erobern. Doch auch hier ist nach einem guten Jahr schon wieder Schluss. Mit Beginn des Schlossaufbaus Ende 2010 wird auch die provisorische Steglandschaft verschwinden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben