Schlossplatz : „Stella hat zu Recht gewonnen“

Senatorin Junge-Reyer hat die Ausstellung im Kronprinzenpalais besucht. Von den 85 Schloss-Entwürfen gefällt ihr der prämierte am besten.

Christian van Lessen
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Traum vom Schloss. Die Entwürfe fürs Humboldt-Forum sind nur noch wenige Tage zu besichtigen. -Foto: promo

„Da ist uns was erspart geblieben, wenn ich mir vorstelle, was ohne die engen Vorgaben wohl eingereicht worden wäre!“, hat ein Besucher ins Gästebuch geschrieben. Die engen Vorgaben – das sind im Architektenwettbewerb die drei Barockfassaden des Schlosses gewesen, hinter denen das Humboldt-Forum errichtet werden soll. „Potemkinsche Dörfer“, spottet ein anderer Besucher. Das Gästebuch liegt im Kronprinzenpalais Unter den Linden aus, das die Wettbewerbsarbeiten zeigt. Das Interesse an der Ausstellung ist unerwartet groß, rund 23 000 Besucher haben sie seit Anfang Dezember gesehen.

Die Ausstellung des Bundes, wegen der starken Nachfrage schon einmal bis zum 4. Januar verlängert, könnte sogar noch in eine weitere Runde gehen. Das hofft die Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer (SPD), das Bundesbauministerium hält dies für möglich.Unter die bisherigen Besucher mischte sich auch die Senatorin, die nach dem Überblick über alle Arbeiten zu dem Schluss kommt, dass Wettbewerbssieger Franco Stella zu Recht unter 85 Mitbewerbern ausgewählt worden ist. Er habe die schwierige Aufgabe angesichts der strengen Vorgaben gemeistert. In der Überarbeitungsphase andere Preisträger heranzuziehen, „anderes in den Entwurf hineinzuinterpretieren“, davon halte sie nichts. Das werde dem Gesamtkonzept nicht gerecht. Eine moderne Kuppel beispielsweise – die gebe es schon auf dem Reichstagsgebäude.

Wie Berlin seine Mitte gestalte – das interessiere auch weltweit, sagt Ingeborg Junge Reyer. Gerade hat sie der „New York Times“ zu erklären versucht, dass die Entscheidung für den Wiederaufbau des Schlosses kein Zeichen der Rückwärtsgewandheit sei, auch nichts mit einem Ost-West-Gegensatz zu tun habe. Mit dem Palast der Republik habe sich nicht die gesamte Bevölkerung identifiziert, versicherte sie den Amerikanern. Das Schloss füge sich gut in die Stadt ein, und für eine andere, moderne Architektur, gebe es in Berlin noch Platz genug.

Und reichlich Platz für Diskussionen bietet die Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten, die sich über drei Etagen erstreckt. Die Besucher scharen sich um den ausführlich dargestellten Stella-Entwurf, der meist gute Noten bekommt. „Ganz klar, ohne Schnörkel“, erklärt ein Architekt den Siegerentwurf. Der Sonderpreis von Kuehn Malvezzi ohne Kuppel findet wenig Beachtung, eher schon die Vorstellungen der Büros Kleihues, Kollhoff oder auch Mäckler, dessen moderne Ostseite einige Betrachter an alte Berliner Industriebauten erinnert. Das Büro Tchoban, das auch die Ostfassade – die eigentlich modern ausfallen sollte – mit einem Barockkleid versehen hat, weckt großes Interesse. Aber sehr viele Leute fragen sich, warum die meisten Architekten so wenig an die Außenanlagen und an die östliche Anbindung des Humboldt-Forums Richtung Marx-Engels-Forum und Rotes Rathaus gedacht haben. Die Diskussion darüber, gar über einen Wiederaufbau des Marienviertels, könne frühestens in zehn Jahren nach dem U-Bahnbau unter dem Gelände aktuell werden, sagt die Senatorin.

Ein Architekturbüro, dessen Entwurf die erste Wettbewerbsphase nicht überstand, hat aus dem barocken Ensemble einen modernen, abgeschrägten Klotz herauswachsen lassen, der den Palast der Republik in Nachhinein geradezu adelt. „Furchtbar“, sagen die Leute und wenden sich ab. Die Ostseite zeigt sich in etlichen Arbeiten als bessere Kaufhaus-Architektur, erinnert an gläserne Bürohäuser. Das Innere des Humboldt-Forums wird in vielen Entwürfen mit Säulen verstellt, und auch die Arbeit mit der Wettbewerbsnummer 1128, der Stella-Plan, wirkt im Inneren wie eine Kathedrale aus Säulen, die Besucher haben ihre Schwierigkeit, eine öffentliche Agora zu entdecken. Ob die moderne Ostseite, die Stella entworfen hat, ausdrucksvoll genug ist – da sind auch der Jury im Wettbewerb Zweifel gekommen, wie zu lesen ist. Das Preisgericht kritisiert, dass etliche Portale im nachgebildeten Schlüterhof nur Attrappen, nur „abgebildet“ sind mit der vorgeschlagenen Nord-Süd-Passage durch das künftige Humboldt-Forum das „historische Grundrissbild umgedeutet“ wird. Das Publikum erfährt also, dass auch der Stern des Sieger-Architekten Stella nicht ganz so glänzend scheint.

In den Sälen und Gängen des hinter Planen versteckten Kronprinzenpalais ist weniger vom Humboldt-Forum, eher vom „Schloss“ die Rede. „Die Bürger wollen das Schloss“, hat der Architekt Hans Kollhoff für seinen Entwurf formuliert. Das Schloss müsse als Ganzes glaubwürdig sein. „Wir haben es also nicht mit einem Humboldt-Forum, ummantelt von Schlossfassaden zu tun, sondern mit dem wiedererrichteten Schloss, in dem das Humboldt-Forum sich entfalten kann“. Der Text wird von Besuchern immer wieder gern zitiert.

Die Ausstellung des Wettbewerbs „Humboldt-Forum“ im Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3, dauert bis zum 4. Januar 2009 und ist von 10 bis 20 Uhr geöffnet, außer am 31. Dezember. Am 1. Januar ist sie von 12 bis 20 Uhr zu sehen. An den (vorerst) letzten beiden Tagen, 3. und 4. Januar, ist von 10 bis 22 Uhr geöffnet.

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