Schlossplatz : Teure Verpackung

Es gibt Ärger um ein Riesenplakat am Schlossplatz. Das soll die so genannte Humboldt-Box finanzieren. Das Bezirksamt Mitte befindet es für illegal und will das Plakat deshalb entfernen lassen.

Jana Peters,Stefan Jacobs
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Umstritten. Das Großposter muss weg, fordert der Bezirk Mitte. Foto: Thilo Rückeis

Wieder gibt es in Berlin Ärger um ein Riesenposter an prominenter Stelle: Eine überdimensionale Cola-Werbung prangt derzeit auf dem Schlossplatz. Angebracht ist die Werbung an einem Container gegenüber dem Lustgarten. Illegal, meint das Bezirksamt Mitte – und will das Plakat deshalb beseitigen.

In dem Container befindet sich das Baubüro für den Schlossbau. Ab Herbst 2010 soll nebenan in der sogenannten Humboldt-Box über die Baustelle des Schlosses informiert werden. Die Werbefirma „Megaposter“ erhielt im September den Zuschlag für Planung, Bau und späteren Abriss der Humboldt-Box – auf eigenes finanzielles Risiko. „Ohne das Plakat wird es auch keine Humboldt-Box geben“, sagt Gerd Henrich, Chef von Megaposter. Die Firma verdiene damit pro Woche eine fünfstellige Summe, ohne die sie die fünf Millionen für den Bau des Informationszentrums nicht aufbringen kann. „Wir handeln gemäß unserem Vertrag mit dem Land Berlin“, so Henrich. Nach seiner Auskunft will die Firma später auch am Gerüst des eigentlichen Schlossneubaus werben.

Der aktuelle Streit ist nicht der erste, der ein Objekt von Megaposter betrifft. Zur Bundestagswahl gab es bereits heftige Debatten um ein CDU-Wahlplakat, das das gesamte Charlottenburger Tor verhüllte.

Jetzt moniert das Bezirksamt Mitte, dass „die Werbung unmittelbar auf den Dom strahlt“, wie Tanja Lier sagt, die Leiterin des Stadtplanungs- und Denkmalamtes. Hinzu komme, dass Baugerüste bei der Werbung zwar privilegiert seien. „Aber nur, wenn davon aus gearbeitet wird.“ Im konkreten Fall handele es sich dagegen um einen reinen Werbeträger. Henrich widerspricht vehement – und lässt nach eigener Auskunft rechtliche Schritte gegen das Bezirksamt prüfen.

Mitte hat Megaposter jetzt zu einer Stellungnahme aufgefordert. „Kommen keine guten Argumente, müssen sie die Werbung abnehmen. Ein Bußgeld ist sehr wahrscheinlich“, sagt Lier. „Der Bezirk versucht, das Projekt Humboldt-Box zu sabotieren“, kontert der Megaposter-Chef.

Die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling sieht hinter dem aktuellen Fall ein grundsätzliches Versäumnis von Ingeborg Junge-Reyer (SPD): „Die Stadtentwicklungssenatorin hat bereits vor mehr als einem Jahr eine Änderung der Bauordnung angekündigt. Darauf warten wir immer noch.“ Hämmerling ist überzeugt, dass die Streitfälle von den Werbern bewusst riskiert werden: „Die Einnahmen sind viel höher als die Gerichtskosten und die Strafen.“ Als weiteres prominentes Beispiel nennt Hämmerling die riesige Werbung am Leipziger Platz, „die dort seit mehr als einem Jahr illegal hängt“.

Junge-Reyers Sprecherin Manuela Damianakis sagt, die Novelle der Bauordnung sei in Arbeit. Die jetzige Situation sei eine Nebenwirkung einer früheren Liberalisierung. „Es sind nicht direkt Rechtsbrüche, aber die Sache wird überdehnt. Die Poster sind Auswüchse.“ Theoretisch müssten die Bezirksämter in jedem Einzelfall prüfen, ob hinter einem Gerüst gearbeitet wird oder ob es nur der Werbung dient. Praktisch sei das unrealistisch. Also müssten die Regeln wieder verschärft werden. Im aktuellen Fall „hat der Bezirk Mitte nach unserer Kenntnis völlig Recht“. Jana Peters/Stefan Jacobs

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