Stadtschlösser : Auf die Hülle kommt es an

Debatte zu Stadtschlössern in Potsdam und Berlin

Dirk Becker

Zurückhaltung ist nicht immer der richtige Weg. Diesen Ratschlag nahm Hans-Joachim Kuke am Mittwochabend mit aus Berlin zurück nach Potsdam. Auf der Veranstaltung „Renaissance der Stadtschlösser in Berlin und Brandenburg“, organisiert vom Hauptverband für den Ausbau der Infrastrukturen in den Neuen Bundesländern e.V., hatte Kuke, promovierter Kunsthistoriker und Mitglied im Förderverein Potsdamer Stadtschloss, über die Brache in Potsdams Mitte gesprochen. Zu den knapp 60 Zuhörern gehörte auch Potsdams Baubeigeordnete Elke von Kuick-Frenz.

Als 1960 die Ruine des Potsdamer Stadtschlosses gesprengt wurde, hatte das Zentrum sein Herz verloren, so Kuke. Dass nach jahrelangem Ringen nun endlich eine Entscheidung für den Wiederaufbau des Schlosses gefallen sei, begrüßte Kuke ausdrücklich. Doch ganz ungetrübt sei seine Freude nicht. Weil der brandenburgische Landtag in den Schlossneubau ziehen will, die historische Grundfläche der Räume aber nicht für den Bedarf der Landesregierung ausreicht, soll die zukünftige Grundfläche diesen Ansprüchen angepasst werden. Das in Form einer Symbiose aus historischer und moderner Architektur, was eindeutig zu Lasten der historischen Fassade und den ursprünglichen Proportionen des Potsdamer Stadtschlosses gehen würde, so Kuke. „Doch politische Entscheidungen möchte ich hier nicht kommentieren“, sagte Kuke.

Genau das Gegenteil empfahl ihm Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer im Förderverein Berliner Schloss e.V. „Bringen Sie das zur Sprache! Hauen Sie die Leute in die Pfanne“, forderte von Boddien in einem emotionsgeladenen Plädoyer, bevor er über den geplanten Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses sprach. Als Barbarei bezeichnete von Boddien das Vorgehen der Verwaltung, das historische Fundament des Potsdamer Stadtschlosses – obwohl tragfähig – abzureißen und die Steine des historischen Fundaments einfach auf einer Bauschuttdeponie zu entsorgen. „Ich habe Städte besucht, wo der Wiederaufbau historischer Gebäude von der Politik energisch betrieben wird und wo man froh ist, wenn man dort ein paar Originalsteine des Fundaments findet“, sagte von Boddien. Dass in Potsdam das noch tragfähige Fundament des Stadtschlosses abgerissen wurde und die Steine nur durch das Engagement der Bürger gerettet werden konnten, löste bei ihm nur fassungsloses Kopfschütteln aus.

Der Umstand, dass von der Potsdamer Stadtschlossfassade noch viele Originalteile erhalten sind, beeindruckte von Boddien. Eine solche Situation hätte er sich auch für das Berliner Schloss gewünscht, wo der Förderverein 80 Millionen Euro aufbringen muss, damit die Fassade des Neubaus nach historischem Vorbild gestaltet werden kann. Ein Mammutprojekt, wie von Boddiens Vortrag verdeutlichte. Für das Jahr 2009 ist der erste Spatenstich geplant, spätestens 2015 soll der Neubau fertig sein, in dem das Humboldt-Forum als neues Forum für Kunst, Kultur und Wissenschaft untergebracht werden soll. Von den großen Chancen und Potenzialen sprach von Boddien, die sich durch den Wiederaufbau für die Architektur der Berliner Innenstadt und vor allem für das Areal der Museumsinsel ergeben würden.

In einer kurzen Wortmeldung sprach auch Elke von Kuick-Frenz von den Chancen, die der geplante Neubau in Potsdams historischer Mitte für die Stadt bedeute. Da stimmte ihr Hans-Joachim Kuke zu. Doch er wies auch darauf hin, dass diese Chancen erheblich von der Gestaltung der Fassade des künftigen Schlossneubaus abhängen werden.

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