Stadtschloss : Für die Barockfassade fehlen Steinmetze

Das Berliner Stadtschloss könnte später als geplant vollendet werden, weil die Fachkräfte für die Barockfassade fehlen. Im Notfall müsste dann zuerst eine Interimshülle errichtet werden, die die Steinmetze nach und nach durch die historistische Fassade ersetzen.

Matthias Oloew
Schloss
Eine gemeinnützige Stiftung wird die Entwicklung des Humboldt-Forums koordinieren. Für den Vorstand wurde auch der Chef der...Simulation: promo

Ein Mangel an Fachkräften könnte den Wiederaufbau der Barockfassaden am Stadtschloss verzögern. Das befürchtet der Berliner Restaurator und Steinbildhauer Andreas Hoferick. Das Projekt sei so groß, dass eine qualitätsvolle Rekonstruktion der Fassaden nicht in wenigen Jahren zu schaffen sei: „Es gibt gar nicht mehr so viele Fachleute, die einen Wiederaufbau in drei Jahren stemmen könnten.“ Davon geht das Bundesbauministerium jedoch aus. 2013 soll das Humboldt-Forum genannte Stadtschloss fertig sein – inklusive aller Fassaden.

Dem entgegen steht eine Vorgabe aus dem Architektenwettbewerb. Die teilnehmenden Büros sollten für den Fall der Fälle Interimsfassaden entwerfen, die so lange gebraucht würden, bis die Steinmetze und Bildhauer mit den Barockfassaden fertig sind. Diese Übergangsfassaden könnten dann nach und nach wieder abgenommen und durch die Barockvariante ersetzt werden. Das Berliner Büro Kleihues und Kleihues zum Beispiel schlug eine Fassade aus Faserzementplatten vor (gemeinhin Eternitplatten genannt), die übergangsweise angebracht werden könnten.

Eine Sprecherin des Bauministeriums erklärte, es habe eine solche Vorgabe für den Wettbewerb nicht gegeben: „Wir wollen zur Eröffnung ein fertiges Haus haben, keine Baustelle.“ Die Ausstellung der Arbeiten zeigt aber die Entwürfe für die Interimsfassaden, und Architekten bestätigten die Vorgaben. Auf der Suche nach Sparpotenzialen beim Schlossbau forderte unterdessen Kulturstaatssekretär André Schmitz, nicht auf die historische Kuppel zu verzichten. „An der Kuppel sollte man nicht rütteln“, sagte Schmitz der Nachrichtenagentur ddp.

Dass die Herstellung der Barockfassaden nicht in den drei Jahren zu schaffen sei, wies das Ministerium als „Spekulation“ zurück. Abhängig vom Umfang der Arbeiten und dem Ergebnis von EU-weiten Ausschreibungen der Bauleistungen gehe die Bundesregierung davon aus, dass die Fassaden einschließlich der Natursteinarbeiten zur Eröffnung des Humboldt-Forums fertig seien. Der Geschäftsführer des Schlossfreunde-Vereins, Wilhelm von Boddien, regte an, bei der Herstellung der bildhauerischen Teile der Schlossfassaden auf Maschinen zurückzugreifen: „Diese computergestützten Geräte schaffen das in null Komma nichts.“

Steinbildhauer Hoferick schüttelt den Kopf: „Das ist Blödsinn“, sagt er. Der Einsatz von Maschinen verteuere die Baukosten, außerdem gebe es auch hier nicht genügend Fachleute, die sie bedienen könnten. Darüber hinaus könne die Maschine nicht die gleiche Qualität erzeugen: „Die Schlossfassaden auf diese Art herzustellen wäre ungefähr so, wie Beethovens Neunte in der Philharmonie von einem Techno-DJ spielen zu lassen.“

Hoferick, der viele Aufträge für die Stiftung Schlösser und Gärten in Sanssouci erfüllt hat, arbeitete mit zehn Fachkräften allein drei Jahre lang am Wiederaufbau der Figurengruppen auf dem Dach des Zeughauses Unter den Linden. Schon an diesem Aufwand sei deutlich, dass die Barockfassaden des Schlosses niemals innerhalb von drei Jahren wiederherzustellen seien. Fast zeitgleich soll auch das Potsdamer Stadtschloss wieder erstehen – ebenfalls mit barocken Fassaden. Hoferick schätzt, dass es in Berlin ein Dutzend Fachleute gibt, die diese Aufgabe erfüllen könnten. Schlossbaumeister Andreas Schlüter habe seinerzeit über ein ganzes Heer geübter Fachleute verfügt.

Die Ausstellung des Architektenwettbewerbs im Kronprinzenpalais Unter den Linden 3 läuft bis 4. Januar (tgl. 10 bis 20, Neujahr 12–20 Uhr, Silvester geschlossen). Eine Verlängerung ist laut Bauministerium nicht geplant.

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