White Cube : Ein bunter Karton auf dem Berliner Schlossplatz

Im Frühjahr 2008 soll die temporäre Kunsthalle fertig sein. Das Gegenprojekt "Wolke“ war zu teuer.

Ulrich Zawatka-Gerlach
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White Cube. Mitte frei für junge Kunst -Foto: White Cube Berlin

BerlinDer Würfel ist gefallen – und zwar mitten auf den Schlossplatz. Im Frühjahr 2008 wird dort eine Kunsthalle eröffnet, die schon zwei Jahre später dem Bau des Humboldtforums weichen muss. Ein temporärer Schuhkarton, außen bunt, innen weiß und voller Bilder. Eine Attraktion, die nach Einschätzung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) „der bildenden Kunst in Berlin einen Schub verleihen wird“.

Der Senat hat gestern nach längerer Überlegung dem „White Cube“ den Zuschlag erteilt. Auch CDU, FDP und Grüne begrüßten diese Entscheidung als vernünftig. Der weitaus größere, architektonisch anspruchsvollere Gegenentwurf, die „Wolke“, hatte das Nachsehen. „Entscheidend war die Finanzierbarkeit“, sagte Wowereit. Leider hätten sich für die „Wolke“ nicht genügend Sponsoren gefunden, sonst wäre dem Senat die Entscheidung schwerer gefallen. Aber nun steht fest, dass auf der Schlossfreiheit eine eingeschossige, pavillonartige Kunsthalle mit 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche entsteht. Außerdem ein Café und ein Museumsshop. 36 Meter lang, 27 Meter breit und 10 Meter hoch.

Die farbig bedruckbare Außenhaut soll mindestens einmal pro Jahr wechseln. Der künstlerische Entwurf für die Eröffnungsphase wird noch geheim gehalten. Vielleicht wird es ein Zitat des unterlegenen Konkurrenten: Eine weiße Wolke auf blauem Himmelsgrund. Coco Kühn aus dem Projektteam, die gestern strahlend gut gelaunt neben dem Regierenden Bürgermeister saß, ließ das offen. Ihre Kollegin Constanze Kleiner schwärmte, dass es ja typisch sei für Berlin, „unmögliche Projekte möglich zu machen“.

Ausgangspunkt für die Idee einer temporären Kunsthalle war die Erkenntnis, dass es hunderte bildende Künstler aus aller Welt gibt, die in Berlin große, international strahlkräftige Kunst produzieren, dort aber nicht ausstellen können. Selbst für versierte Kenner sei es immer wieder überraschend, wer in der deutschen Hauptstadt so alles ein Atelier betreibe, sagte Kühne. „Aber leider finden viele bedeutende Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in anderen Metropolen statt.“ Das soll sich nun ändern. Im „White Cube“ könne „Wunderbares präsentiert werden“, ahnt Wowereit.

Wer das Glück haben wird, auf dem Schlossplatz ausstellen zu dürfen, steht noch nicht fest. Die Auswahl trifft ein Kuratorium aus vier Kunsthallen-Direktoren: Katja Blomberg (Haus am Waldsee in Berlin), Julian Heynen (Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf), Dirk Luckow (Kunsthalle Kiel) und Gerald Matt (Kunsthalle Wien). Unterstützt wird das Berliner Projekt von der Stiftung „Zukunft Berlin“. Die Baukosten liegen bei einer Million Euro, die Bespielung für zwei Jahre kostet 500 000 Euro.

Die „Wolke“ hätte insgesamt 10,4 Millionen Euro gekostet, und die Finanzierung blieb ungesichert. Aber auch die kleine, gestern beschlossene Variante macht Wowereit „hoffnungsfroh für eine spätere, dauerhafte Kunsthalle“. Spätestens 2011 soll sie fertig sein. Diese Perspektive macht die Initiatoren des befristeten Projekts nicht neidisch. „Wir leben zwei Jahre und nicht länger – und sind doch jetzt schon eine Legende“, sagte Constanze Kleiner. (Seite 23)  

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