Berlin : Schluck aus dem Jungbrunnen?

CS

Sie verspricht keine ewige Jugend, ist aber zumindest eine Hoffnung für Berliner: "Die Altersheilkunde", schreibt der Große Brockhaus, "ist zwar nicht imstande, den Menschen zu verjüngen, sie kann aber Alterungsvorgänge verzögern und Beschwerden lindern." Geriater kümmern sich um die Beweglichkeit, um Herz- und Kreislauf, Atmung, Verdauung und Gedächtnis. Ihre Disziplin hat sich seit etwa 1900 aus der Inneren Medizin entwickelt. Zuvor endeten viele ältere Menschen im Siechenhaus. In den Zwanziger Jahren brachte Max Bürger die Altersheilkunde in Berlin entscheidend voran, weshalb das Charlottenburger Geriatriezentrum nach ihm benannt ist. Die Nazis bremsten solche Bestrebungen, sie hätten hinfällige Alte wie die Behinderten am liebsten aus dem Wege geschafft.

In der Regel werden ältere Patienten in Allgemeinkliniken versorgt und nach einer OP oder Intensivbehandlung zur Geriatrie überwiesen. Sie versucht konsequent, alten Menschen solange wie möglich die Selbstständigkeit zu bewahren. Deshalb spart jede Mark für die Geriatrie auch eine Menge Geld. Pflegeheime sind wesentlich teurer.

Der neueste Zweig der Altersheilkunde heißt Gerontopsychiatrie und erwächst aus der Erkenntniss, dass besonders ältere Kranke ein gesundes soziales und persönliches Umfeld brauchen, um wieder auf die Beine zu kommen. Aber hier liegt manches im Argen. In jüngeren Jahren lassen sich unsympathische Persönlichkeitszüge wie Geiz oder Reizbarkeit leichter kaschieren, und: In schwierigen Partnerschaften wird viel verdrängt. Doch mit den Jahren versagt die Kontrolle. Ein alter Mensch fällt plötzlich unangenehm auf und wird abgelehnt; der jahrzehntelang Starke in einer Beziehung wird über Nacht durch Krankheit schwach, nun begleicht sein Partner alte Rechnungen. Helfen können die Gerontopsychiater - mit Familien- und Paartherapie.

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