Schlüsselübergabe : Ein Glück für die Museumsinsel

Mit einem Festakt wurde am Donnerstag die Schlüsselübergabe für das neue Haus gefeiert. Politiker und Gäste lobten Architekt Chipperfield, der sich erneut gegen die Kritik wehrte, er betreibe Ruinenromantik.

Bernhard Schulz
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In neuem Licht. Das Neue Museum ist nach seiner Sanierung vom heutigen Freitag bis Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr erstmals wieder...Foto: Wolff

BerlinDer Ablauf des gestrigen Tages der Schlüsselübergabe im Neuen Museum auf der Museumsinsel war minutiös durchgeplant. Pressekonferenz, Rundgang, Fototermin und schließlich Festakt: Gesprochen wurde viel, und begeistert zeigten sich alle, die das Wort ergriffen. Nach elf Jahren Planungs- und Bauzeit steht am Ende nicht nur ein erstmals nach 70 Jahren kriegsbedingter Schließung benutzbares Museumsgebäude, sondern auch eine Unterschreitung der bewilligten Kosten um satte 33 Millionen Euro. 200 ausgegebene Millionen sind eine stolze Zahl, aber dafür ist nun „ein wahrer Meilenstein gesetzt“, wie Klaus Wowereit sagte. Der Regierende Bürgermeister hat allen Anlass zur Freude, werden doch die Bauinvestitionen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz – deren Staatliche Museen das neue Haus bespielen werden – seit dem Jahr 2003 vollständig aus dem Bundeshaushalt beglichen.

Das Neue Museum
Am 24. Januar wird bekannt, dass Ägypten die weltbekannte Nofretete offiziell zurückfordert. Foto: ReutersWeitere Bilder anzeigen
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24.01.2011 11:48Am 24. Januar wird bekannt, dass Ägypten die weltbekannte Nofretete offiziell zurückfordert.


Kulturstaatsminister Bernd Neumann hatte denn auch als Erster das Wort beim Festakt. Er sprach die Kritik an, die das Vorgehen des Architekten David Chipperfield (London) und des Landesdenkmalamtes gefunden hat. Auch Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee als formeller Bauherr sprach über das „Pro und Contra, wie mit historischen Bauten umgegangen“ werde. Und Wowereit ahnte bereits, dass „die Diskussionen neu aufflammen werden, wenn das Gebäude öffentlich zugänglich ist“. Zugleich aber verbeugten sich alle Politiker vor Chipperfield, und die mehrhundertköpfige Festgemeinde spendete dem Architekten lang anhaltenden Beifall.

Chipperfield selbst griff in seiner Ansprache den Vorwurf auf, er betreibe Ruinenromantik. Es sei nicht sein Ziel gewesen, „Schäden zu zelebrieren“. Die sichtbaren Schadstellen seien vielmehr Folge des Konzepts, die historischen Bauteile unbedingt zu erhalten. Darin fand Chipperfield vehemente Unterstützung des Denkmalpflegers Michael Petzet, der die deutschen Unesco-Welterbestätten – darunter die Berliner Museumsinsel – auf die Einhaltung der Unesco-Regeln hin beobachtet. Die „strikte Bewahrung der Fundstücke“ gehöre „zu den Grundsätzen des archäologischen Denkmalschutzes“, dozierte Petzet. Er sieht keinen Anlass, das Ergebnis des Wiederaufbaus zu kritisieren oder gar den Welterbe-Status der Museumsinsel infrage zu stellen.

Beim Wiederaufbau des Neuen Museums geht es nicht nur um das Gebäude. „Ohne Wissenschaft keine Museen“, sagte Hermann Parzinger, Präsident der Preußen-Stiftung: „Wir schließen auch inhaltlich an die Tradition institutionenübergreifender altertumswissenschaftlicher Großforschung an.“ Gerade das Neue Museum, eröffnet 1855, verdankt sich dem rasanten Wachstum der Archäologie, die in Berlin ein Zentrum von Weltrang besaß. Ab Oktober ist das Neue Museum wieder als Sammlungsstätte zugänglich. Der gestrige Tag war dazu wahrlich ein Meilenstein.

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